Violinenbauer Jörg Teibach: 120 Stunden für eine Geige, 300 für ein Cello

Laura-Madlein Scharpen Harry Soremski

Kassel und die Musik. Das ist natürlich die Geschichte des Komponisten, Dirigenten und Hofkapellmeisters Louis Spohr. Dessen Violinschule ist ein Klassiker im Geigenunterricht. Aber ohne Menschen wie Jörg Teibach wäre da keine Musik drin. Der Violinenbauer fertigt die sensiblen Instrumente und haucht dem Werkstoff Holz eine Seele ein.

Es ist eine alte und traditionsreiche Zunft, der Jörg Teibach in seinem kleinen Atelier nachgeht. Dabei muss jeder Handgriff sitzen, denn schon der kleinste Patzer kann das ganze Instrument ruinieren. Jörg Teibach ist Geigenbauer. Ein Handwerk, das ihn schon von klein auf begleitet. „Mit neun Jahren fing ich an Geige zu spielen, mein Vater, gelernter Schreiner, fing etwa zur selben Zeit an, alte Instrumente zu sammeln und an ihnen rum zubasteln. Das war wohl sowas wie die Initialzündung. Während ich Violine studierte, habe ich selber hin und wieder kleine Reparaturen an meinen Geigen oder denen meiner Kommilitonen vorgenommen“, erinnert sich der Kasseler. Nachdem er einige Zeit als Geigenlehrer arbeitete, entschied er sich zu einer dreijährigen Ausbildung als Geigenbauer an einer Fachschule in Bayern.

Fotos: Soremski

2006 hat Jörg Teibach sich dann in der Friedenstraße niedergelassen. Mit Erfolg: Viele der Musiker vom Orchester des Staatstheaters vertrauen ihre Violinen, Violas und Cellos dem 47-Jährigen an. Auch Tianwa Yang, Dozentin der Musikakademie Kassel und Ausnahmetalent an der Geige, bringt ihr wertvolles Instrument in Teibachs Atelier. „Hauptsächlich überhole ich gebrauchte Geigen und mache kleinere Reparaturen, wie etwa Lackschäden ausbessern. Bei Instrumenten von Profimusikern müssen ein- bis zweimal im Jahr die Bogenhaare ausgetauscht werden.“ Dafür nutzt Jörg Teibach mongolisches Hengsthaar. Auch wenn er ein ganz neues Streichinstrument baut, werden nur die edelsten Materialien genutzt: Bosnischer Ahorn für den Korpus, Alpen-Fichte für den Deckel. Eine selbstgemischte Safran-Grundierung für das unbehandelte Holz. „Europäisches Holz hat einfach mehr Stabilität und eine bessere Klangqualität.“ Für eine komplette Geige brauche er um die 120 Arbeitsstunden, für ein Cello 300. „Das mache ich aber nur selten, ich habe einfach zu wenig Zeit dafür.“ Wenn er eine Geige baut, weiß er schon bevor sie fertig ist, wie sie in etwa klingen wird. „Jede Veränderung und jedes Detail wirkt sich auf die Klangfarbe aus. Ich weiß schon vorher, wie ich das Instrument bearbeiten muss, damit es meinen Klangvorstellungen oder denen meiner Kunden entspricht.“

16_08_04_Magazin-34_Geigenbauer_9665Und diese feine Arbeit hat ihren Preis. Selbstgebaute Geigen von Jörg Teibach gibt es ab 12.000 Euro, Celli gehen bei 22.000 Euro los. „Damit bin ich aber noch im unteren Bereich, was handgearbeitete Streichinstrumente aus Europa angeht.“ Es gibt Geigen, die mehrere Millionen kosten. Selten, alt und von Meisterhand, wie etwa eine Stradivarius, gefertigt. „Viele Profimusiker und Top-Geiger spielen ein altes Instrument, das möglichst durch viele Hände gegangen ist. Denn mit jedem Spieler entwickelt sich die Geige weiter und bekommt neue klangliche Dimensionen. Sie hat ein Gedächtnis, ist sozusagen ein lebender Organismus.“ Allerdings können sie auch durch weniger geübte Hände „kaputt gespielt“ werden. Die wertvollste, die Teibach bisher bearbeitet hat, war 200.000 Euro wert – „da darf dann nichts schief gehen.“

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