Timo Pinna zaubert Möbeldesign mit alten Liebhaberstücken

Nadja Feldle Harry Soremski

Alten Möbelstücken neues Leben einhauchen: Das ist die Leidenschaft von Timo Pinna aus Schauenburg. Eigentlich gelernter Dachdecker und mit mittelalterlichen Märkten selbstständig, hat sich der gebürtige Essener seinen Traum verwirklicht. „Mein Wunschberuf war schon immer der Möbeldesigner. Ich habe gerne viel selbstgemacht und mit meinen Händen erschaffen. Warum also nicht den Traum verwirklichen?“, dachte sich der 36-Jährige, der Nordhessen vor zwei Jahren zu seiner Heimat gemacht hat. Nun fertigt er aus alten Möbeln neue Designerstücke, die jedoch den Charakter des Alten behalten sollen.

„Ich möchte keine Möbel von der Stange machen, sondern Designs für Menschen kreieren, die den Wert der Handarbeit und die Qualität zu schätzen wissen.“ Besonders Koffer und die Arbeit mit Holz haben es Timo Pinna angetan. „Bei uns zuhause steht ein Tisch aus alten Eichenbalken aus dem Haus meiner Eltern. Das Holz habe ich abgeschliffen, gebeizt und geölt, damit die Struktur erhalten bleibt. So konnte ich Altes zu neuem Leben erwecken und habe ein Stück Heimat weiterhin bei mir“, erzählt der Kunsthandwerker.

Auch weitere selbst designte Möbel zieren das Heim. So staffieren Regale und eine Kommode aus alten Koffern den Flur. „Die Kommode war eine echte Liebhaberarbeit und hat ungefähr zehn Arbeitsstunden in Anspruch genommen. Ursprünglich war es eine alte Massivholzkommode, die von mir restauriert und lackiert wurde. Anschließend wurden passende Bezüge und Kofferteile ausgewählt und in liebevoller Handarbeit angebracht. Sie ist ein wahres Designerschätzchen.“ Stolz ist er auch auf seine Bar, die hinter einem alten Scheunentor versteckt werden kann. „In einem nicht genutzten Durchgang habe ich erst ein Regal eingebaut. Bis es fertig und in der Halterung angebracht war, hat es rund sechs Stunden gedauert“, so Pinna, der als gelernter Dachdecker das nötige Knowhow und die Werkzeuge mitbringt, um aus alten Schätzen echte Lieblingsstücke zu fertigen.

Eine echte Liebhaberarbeit war diese Kommode.

Besonderes Mobiliar findet er auf Flohmärkten in der Region oder über Händler. Besonders regionales Arbeiten und Nachhaltigkeit liegen ihm am Herzen, denn „beim Upcycling“ wird aus alten, gebrauchten Materialien etwas Neues, Höherwertiges erschaffen. So steht das ‚up‘ für „nach oben“ und ‚cycling‘ für die Wiedereinführung in den Kreislauf. „Jedes Möbelstück und Designerobjekt hat seine eigene Vorgeschichte und kann mit seinem Charakter viel erzählen. Einige Materialen werden dabei völlig anders verwendet, als es ursprünglich der Fall war. So wird kreativ mit dem vorhandenen Material gearbeitet und etwas Neues kann entstehen“, erklärt der Möbeldesigner die Idee seiner Firma Timo Pinna Design.

Noch werkelt er zuhause auf der großzügigen Terrasse, eine eigene Werkstatt ist in Planung. „Ich möchte erst einmal ein paar Stücke fertigen, diese vielleicht in Läden in der Innenstadt ausstellen und mir einen Namen machen. Die Ideen kommen mir nach ein paar Tagen nach der Besichtigung eines Objektes. Dann schaue ich, was man daraus am besten machen kann. Diese kreative Freiheit ist das, was Spaß macht. Menschen, die etwas Besonderes für ihre Wohnung wollen, sollen zu mir kommen und wir besprechen individuell, was man aus den Möbelstücken machen kann, was in die Wohnung passt, was umsetzbar ist. Die Leute sollen von mir das Designstück erhalten, was sie sich wünschen, aber selbst nicht umsetzen können“, erklärt Timo Pinna seine Leidenschaft, die er nun zu seinem Traumberuf gemacht hat.