Staatstheater Kassel: Das passiert hinter dem Vorhang

Thomas Lange Harry Soremski

Der Zuschauerraum des Opernhauses ist brechend voll. Gespannt und unruhig rutschen die Premierengäste auf ihren Theatersesseln hin und her. Gleich werden Romeo und Julia die Bühne betreten und ihre tragische Liebe – millionenfach erzählt, doch immer wieder herzzerreißend – wird sie in den Tod führen. Spannend – doch Gott sei Dank selten dramatisch – geht es aber nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne zu. In den Bereichen, die die Zuschauer nicht zu sehen bekommen, herrscht während der Theaterstücke, Musicals, Opern und Konzerte wuselige Geschäftigkeit. 29 Techniker sind fest angestellt am Kasseler Opernhaus, sorgen für den reibungslosen Ablauf der Stücke: Auf- und Abbau, blitzschnelle Änderungen von Kulissen, Licht, Ton – alles muss funktionieren, damit dem zahlenden Theatergast ein Höchstmaß an Unterhaltung geboten werden kann.

Theaterobermeister Andreas Lang hat alles im Blick.Theaterobermeister Andreas Lang hat alles im Blick.

Einer der fleißigen Männer aus dem Hintergrund ist Andreas Lang. Seit 28 Jahren ist der gelernte Schreiner dabei, heute ist er Theaterobermeister. Er muss vor, während und nach den Aufführungen im Blick haben, was wichtig ist: Dass niemand von der Bühne in den Orchestergraben auf die dort spielenden Musiker fällt, dass Bühnenteile sicher auf- und abfahren können; dass Kulissen dort stehen wo sie hingehören. „Es geht immer mal etwas schief. Aber in der Regel merken die Zuschauer dies nicht“, lacht er. „Etwas wirklich Schlimmes ist noch nie passiert.“

Was die Besucher in der Regel kaum wissen: Die 15×12 Meter große Bühne des Opernhauses rücken weit mehr als 200 Scheinwerfer ins rechte Licht. Etwa viermal soviel Platz gibt es rechts, links und hinter dem Bereich, den die Zuschauer sehen. Unter den Brettern, die die Welt bedeuten, geht es sechs Meter in die Tiefe, darüber 21 Meter hinauf. „Im Vergleich zu anderen Häusern ist Kassel sehr gut ausgerüstet“, freut sich Lang. Unterschiedliche Ebenen können die mächtigen Hydraulik-Heber erzeugen, von den großzügigen Seitenbühnen kann in wenigen Sekunden eine ganz neue Kulisse auf die Bühne gebracht werden.

Hinter und auf der Bühne ist Vorsicht geboten.Hinter und auf der Bühne ist Vorsicht geboten.

Menschen und Lasten ist es möglich an sogenannten „Zügen“ auch zu fliegen. Andreas Langs Arbeitstag beginnt daher auch nicht eine halbe Stunde bevor sich der Vorhang hebt. „Techniker sind in der Regel von 7 bis 24 Uhr vor Ort“, erklärt er. Wenn Ronja Räubertochter bereits um 10 Uhr morgens die Bühne betritt, muss schon am Abend zuvor alles vorbereitet werden. Stress ist da vorprogrammiert, dazu kommt die Verantwortung, dass alles sicher abläuft, Unfälle minimiert werden. „Aber spätestens wenn es nach einer Vorstellung tosenden Beifall gibt, ist das vergessen“, sagt Lang. Schließlich setzt auch das Team der Technik alles daran, dass es eine gelungene Vorstellung wird – auch wenn er und sein Team dabei eher selten zu sehen sind.

Übrigens: Privat geht Andreas Lang nicht ins Theater. „Zum Ärger meiner Frau. Trotzdem kann ich die meisten Stücke mitsprechen“, lacht der Theaterobermeister.

Hinter der Bühne gibt es Technik in Hülle und Fülle.

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