Seit 1986 führt Jörg Ludwig Jordan Kasseler Traditionsunternehmen

Rainer Hahne Harry Soremski
Seit 1986 führt Jörg Ludwig Jordan das FamilienunternehmenW. & L. Jordan GmbH. Seit 1986 führt Jörg Ludwig Jordan das Familienunternehmen W. & L. Jordan GmbH.

Sie haben es nicht immer leicht, die Familienunternehmer in Deutschland. Entweder gehen sie kaputt oder sie werden groß genug zum Überleben. „Holz Jordan“ hat es geschafft. Um das Erfolgsgeheimnis zu ergründen, begaben wir uns auf den Weg nach „Jordan-City“ – nach Niederzwehren. Dort angekommen vermutet man, dass der große Neubau rechts der Sitz des Chefs ist. Weit gefehlt. Es passt zu dem Familienunternehmen, dass Jörg Ludwig Jordan im alten Gebäude geblieben ist. 98 Jahre alt ist die Firma mittlerweile. Jörg Ludwig Jordan hat 1986 das Ruder übernommen.

Sein Handwerkszeug Betriebswirtschaft hatte er in der Managerschule im Rheingau gelernt. Und das konnte er gleich gut gebrauchen. 70 Mitarbeiter hatte die Firma in dem Jahr. Machte einen Umsatz von 28 Millionen Mark. Und zunächst sah alles nach schnellem Aufbruch aus. Der Gedanke kam auf, die Marke JOKA (Jordan Kassel) bundesweit zu nutzen.

„In den 80er Jahren fielen die Holzgroßhändler reihenweise um“, weiß Jordan noch. „Es war eine harte Zeit. Wir haben überlebt, weil wir immer an die Zukunft des Handwerks geglaubt haben und uns auf Fachmärkte und die Belieferung von Handwerksbetrieben konzentriert haben. In dieser Zeit sind von zweihundert Großhändlern zwanzig übrig geblieben. Wir waren, Gott sei Dank, dabei.“Dann fiel die Mauer. „Im Osten hatten wir in Thüringen noch Kontakte aus der Vorkriegszeit, die wir nutzen konnten“, erinnert sich Jordan gerne. In Erfurt, Halle, Chemnitz und Dresden wurden nacheinander neue Standorte eröffnet. Jordan war wegen seiner guten Lagerstrategie dafür bekannt, dass innerhalb 24 Stunden geliefert werden konnte. „Ein Großbrand hatte uns damals schwer getroffen. Doch dank der damaligen Stadtbaurätin Christiane Thalgott konnten wir unkompliziert das modernste Zentrallager Europas bauen. Ein ganz wichtiges Element in unserer Firmenstruktur“, sagt Jörg Ludwig Jordan heute.

1998/99 geriet die Firma erneut unter gewaltigen Druck. „Wieder kam es zu Zusammenbrüchen in Serie. Im Osten schrieben alle Firmen dunkelrote Zahlen. Niemand hatte dort mehr Geld zum bauen.“ In genau dieser schwierigen Situation gab man bei JOKA nicht auf sondern beschloss, als Ausgleich im Süden Deutschlands zu investieren. „Es gab die Möglichkeit eine Firma in Nürnberg zu übernehmen. Dann geriet eine Kette in München in Schwierigkeiten, und wir waren zur Stelle“, atmet Jordan heute noch durch, wenn er an die Risiken denkt.

17_05_08_Magazin-34_Jörg-Ludwig-Jordan_0168

Heute ist die Firma als Familienunternehmen mit dem Holzhandel und der Marke JOKA für „natürlich schöne Räume“ im gesamten deutschsprachigen Raum an mittlerweile 65 Standorten vertreten. Der Umsatz soll 2017 die 400-Millionen-Grenze überschreiten. Doch am Erfolgsrezept will Jörg Ludwig Jordan nichts ändern: „Wir sind und bleiben ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Bei uns arbeiten Menschen mit Menschen. Immer wenn wir eine Firma übernommen haben, haben wir gemerkt, was das für ein Motivationsfaktor für die neuen Kollegen war. Die blühten förmlich auf.“

Die Zukunft scheint gesichert. Drei Kinder hat Jörg Ludwig Jordan: „Und es sieht so aus, als ob sich zwei von ihnen für die Firma interessieren.“ Die Ampel steht auf Grün für Joka.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.