Rollender Luxus aus dem Knüll

Michael Seeger Harry Soremski
Magazin 34, Wohnmobile Klaus Hünerkopf

Es ist gerade einmal sieben Uhr in der Früh. Während die Sonne erstmals vorsichtig über den Gipfel des Knüllköpfchens lugt, kreischen im kleinen Kurstädtchen Neukirchen bereits die Sägen um die Wette. Meterlange CNC-Fräsen bahnen sich ihren Weg durch Werkstoffe aller Art. In einer hochmodernen Tischlerei liegt ein Meer aus Sägespäne. In der Halle nebenan fliegt feinster Steinstaub durch die Luft. Eine Tür weiter stemmt eine riesige Hebebühne einen tonnenschweren Koloss in die Luft. Schon in ein paar Tagen wird das Reisemobil wieder vom Hof der Firma Klaus Hünerkopf rollen – im Wert von fast einer Million Euro. Reisen bildet. Und Bildung ist mitunter teuer.

 

Ultrareiche Rohstoffhändler, millionenschwere Unternehmer, einflussreiche Politiker und Staatspräsidenten – sie alle haben etwas gemeinsam. Sie sind ebenso diskret wie gut betucht. Und sie kennen das beschauliche Luftkurstädtchen Neukirchen. Aber was verbindet die Männer von Welt mit dem 7.000-Seelen-Ort im Knüllgebirge? Die Firma Klaus Hünerkopf. Sie veredelt Reisemobile zu Luxus-Fahrzeugen der Extraklasse.

Klaus Hünerkopf beschäftigt in seiner Premium-Manufaktur mit Spezialgebiet Reisemobile gut 30 Mitarbeiter.

An der Spitze des Unternehmens steht Klaus Hünerkopf. Mit zarten 22 hatte der Tischler die Schreinerei seiner Mutter übernommen – und sie peau à peau zu einer Premium-Manufaktur entwickelt, wie es sie deutschlandweit in der Reisemobilbranche wohl kein zweites Mal gibt. Heute beschäftigt der Kopf des Unternehmens allein 30 Mitarbeiter in seinem Kernbetrieb. Neben der Premium-Manufaktur existieren ein Reisemobil-Stellplatz und die Firma RKH Module, die wandelbare Modulhäuser entwickelt. Summa summarum beschäftigt Klaus Hünerkopf rund 60 Angestellte. Darunter sämtliche Ausprägungen von Handwerkern – Tischler, Metallbauer, Elektriker und Lackierer.

Magazin 34, Wohnmobile Klaus Hünerkopf

In den Werkhallen der Premium-Maunfaktur arbeiten sie Hand in Hand, akribisch und mit Liebe zum Detail an Sonderausstattungen für Reisemobile. Dabei handelt es sich zumeist um Auftragsarbeiten für vermögende Privatkunden. Namen werden natürlich nicht geäußert. Diskretion spielt im Hause Hünerkopf eine wesentliche Rolle. Nur soviel sei verraten: „Es fliegt auch schon mal ein Kunde mit dem Helikopter ein. Abends sieht man ihn dann an der Seite von Merkel und Putin in der Tagesschau wieder.“ Aber auch der deutsche Mittelstand rollt in seinen Fahrzeugen auf den Hof der Firma Hünerkopf. „Sie sind alle easy“, bringt es der Unternehmenschef elegant auf den Punkt. Denn: „Was wir machen, ist ja für die Freizeit gedacht.“ Und Hobbys können bekanntlich teuer sein. Der Wert eines einzelnen Reisemobils, das nach dem Umbau den Hof der Firma Hünerkopf verlässt, kann die Million auch schon mal übersteigen – abhängig vom Model und der Zusatzausstattung, die der Kunde wünscht.

Die jüngere Erfolgsgeschichte der renommierten Manufaktur nahm ihren Lauf, als es Klaus Hünerkopf 1981 nach Neukirchen verschlug. Der Tod seiner Mutter brachte den kreativen Tischler aus dem westfälischen Troisdorf ins strukturschwache Knüllgebirge. Hier übernahm Hünerkopf die seit 1955 gut funktionierende, aber unspektakuläre Firma seiner Mutter und führte sie zu dem heran, was sie heute ist: Anlaufstelle für Kunden mit extraordinären Anforderungen. In Visionär Klaus Hünerkopf finden sie den Mann, der ihren Träumen Realität verleiht. Ursprünglich entwickelten er und sein Team die Innenausstattung für große Hotels.
„Damals war ich 80.000 Kilometer im Jahr unterwegs – im Flieger und im Auto“, erinnert sich der heute 53-Jährige. Wenn der Unternehmensstandort im südlichen Schwalm-Eder-Kreis auch wirtschaftlich schwach war, so war er aus geografischer Sicht wertvoll. Der Weg aus der Mitte Deutschlands in die neuen Bundesländer war nicht allzu weit. Und dort offenbarte sich ein Markt für Hünerkopf. Später sattelte der Unternehmer auf den Umbau von Booten und Yachten um. Kaum ins neue Gefilde geschippert, ruderte die Firma auch schon wieder zurück. „Das Wasser war zu weit weg“, sagt ihr Chef heute schmunzelnd.

Seine Spezialisierung fand Klaus Hünerkopf schließlich im Offensichtlichen – in der Reisemobilbranche. Offensichtlich und vor allem logisch allein deshalb, weil es in den neuen Bundesländern seinerzeit kaum Hotels gab. „Wir mussten irgendwo schlafen, wenn wir dort arbeiteten. Also fuhren wir in Reisemobilen rüber, die ich für diesen Zweck gekauft hatte“, erklärt der Neukirchener. In 2003, nachdem seine akribischen Mitarbeiter eines jener Mobile umgebaut hatten, präsentierte es Hünerkopf auf einer Messe – mit einer schier unglaublichen Resonanz. Das im Knüll aufgewertete Fahrzeug hatte ein bislang nicht gekanntes, mondänes Auftreten. Die Innovation lag in den verbauten Materialien und feinen Details. „Wir verwendeten Oberflächen, die es zu der Zeit in Reisemobilen nicht gab“, schwelgt Hünerkopf in Erinnerung. Es war der Durchbruch für die Premium-Manufaktur und der Startschuss für eine bis heute nicht enden wollende Auftragsreihe.

Lag der Schwerpunkt anfänglich auf der Entwicklung und dem Einbau von Naturstein-Elementen in Leichtbauweise, werden die hochwertigen Innenausbauten inzwischen allumfassend – also inklusive Elektro-, Sanitär- und Gasinstallation, Entertainment und Möbeln – hergestellt und eingebaut. Die nötigen Hilfsmittel erstrecken sich über mehrere firmeneigene Werkhallen und Planungsbüros. Das Unternehmen Klaus Hünerkopf verfügt über eine eigene und hochmoderne Tischlerei, Polsterei, Lackiererei für Hochglanzoberflächen und eine Metallbearbeitung.

Das bedeutet: Wer noch so komplexe Veränderungen für sein Fahrzeug wünscht, der erhält seine Lösungen in Neukirchen – allumfassend an nur einem Standort. n

Schreibe einen Kommentar