Piper Deutschland AG verkauft seit über 50 Jahren Flugzeuge

Rainer Hahne Harry Soremski

In diesem Jahr gab es das große Doppeljubiläum zu feiern: Seit 50 Jahren gibt es die Piper Deutschland AG, und seit fünf Jahren besteht ihr neuer Betriebssitz am Flughafen Kassel-Calden. Wilfried Otto, seit 1975 Vorstand der Piper Deutschland AG, ist stolz auf das Unternehmen und seine Entwicklung. Und es geht weiter nach vorne: Der Neubau am Airport Kassel erweist sich schon heute als zu klein. Piper wird in Kürze ein weiteres Gebäude bauen.

Zufrieden steht Wilfried Otto oben auf der Empore im fertiggestellten Hangar seiner Firma am Airport Kassel. Genau so stellt man sich eine neue Flugzeughalle vor, eine Werft für Flugzeuge. Und die kommen aus ganz Europa, um in Kassel gewartet zu werden. Der Boden ist weiß gestrichen, alles ist penibel sauber. Der Arbeitsplatz ist trocken und warm. „Trotzdem ist es nicht einfach Arbeitskräfte zu finden“, weiß Otto aus leidvoller Erfahrung. Doch finden muss er die, denn Piper Deutschland will 2019 den nächsten Hangar bauen.

Bei Piper werden Maschinen gewartet und repariert. Den Großteil des Geschäfts macht aber der Handel mit Ersatzteilen aus.

„Wir stoßen an unsere Grenzen“, analysiert auch Vorstandsmitglied Patrick Weilbach die aktuelle Situation. „Wir sind der größte Ersatzteillieferant der allgemeinen Luftfahrt in Europa. 2017 haben wir allein damit 17 Millionen Euro Umsatz gemacht. Im Lager haben wir Ersatzteile im Wert von 3,5 Millionen Euro.“

Und die Tendenz geht weiter nach oben. „Ein Viertel aller Werften in Deutschland hat mittlerweile geschlossen. Der Personalmangel macht allen zu schaffen. Und dazu kommt eine immer weiter ausufernde Bürokratie, deren Anforderungen können gerade die kleineren Schrauber nicht mehr erfüllen“, so Weilbach. Ein Wissen aus zahlreichen Gesprächen mit Unternehmern in diesem Bereich, die ihre Werften verkaufen wollen. Bei Piper läuft’s: Flugzeuge aus Skandinavien, England, Frankreich, aber auch aus Marokko und Ägypten stehen in der Halle und warten auf die Monteure. Einige werden umfangreich umgebaut, andere erhalten neue Triebwerke. Weniger Freude hat Winfried Otto aber am Verkauf neuer Flugzeuge. „In den USA verkaufen die gerade wie verrückt, die neuen Steuergesetze machen es möglich. Bei uns sind die Preise unglaublich gestiegen. Früher hat ein Arzt ein Jahr für ein Flugzeug gespart, heute braucht er dafür fünf Jahre.“ Früher, schaut Otto gerne zurück, wurden in Deutschland 150 Flieger pro Jahr verkauft, heute sind es nur noch fünf. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates Dr. Hermann Otto Solms wünscht den Mitarbeitern der Firma „immer genügend Wind unter den Flügeln“. Und das mit Recht, denn Otto und sein Team haben es seit 1983 immer geschafft, trotz aller Irrungen und Wirrungen im internationalen Flugverkehr, schwarze Zahlen zu schreiben. Das soll auch in Zukunft so weitergehen. Dafür hat Otto den Weg geebnet. In den nächsten Jahren will er die Anzahl seiner Arbeitstage langsam von fünf auf drei oder zwei zurückfahren. Das fällt ihm besonders leicht, weil er seit geraumer Zeit nicht mehr mit dem Flugzeug morgens aus Mittelhessen anreisen kann. Er ist aufs Auto umgestiegen, das kostet Zeit und Nerven. „Das Flugzeug ist für mich immer eine Zeitmaschine gewesen. Ruckzuck war ich morgens da. Staus kannte ich nicht“, erinnert er sich gerne zurück. Autofahren nervt. Doch Otto gibt nicht auf und macht sein Unternehmen zukunftsfähig. Dazu gehört auch, dass man sich von der Börse verabschiedet hat. „So etwas wie Tesla-Chef Musk möchte ich nicht erleben“, schüttelt er den Kopf.

Einmal pro Jahr wird jetzt die Bilanz gemacht, der Wert des Unternehmens festgestellt. Dann werden Aktien ge- und verkauft. Das Führungsteam bestehend aus Otto, Weilbach und Jennifer Bitterberg will nicht nur neu bauen – Spatenstich Mitte 2019 – sondern überlegt auch, ob es sinnvoll ist, einige Chartermaschinen an den neuen Airport zu stellen. „Wir wollen mal sehen, ob sich große nordhessische Firmen daran beteiligen. Die richtige Maschine haben wir.“