Pferdezucht inmitten einer traumhaften Landschaft

Elisabeth Bennighof Harry Soremski

„Wie aus einer anderen Welt“, das ist der Satz, den man von den meisten Menschen hört, die das Hauptgestüt Altefeld besuchen.
Zwischen dem Ringgau und Herleshausen auf einer Hochebene gelegen, bildet das Gestüt mit seinen rund einem Dutzend Gebäuden einen Großteil des Dorfes Altefeld.

Vollblutzucht in Nordhessen

Oberlandstallmeister Burchard von Oettingen hat die komplette Anlage 1913 geplant. Die gute Luft auf der Hochebene und der Muschelkalk im Boden sind ideale Voraussetzung für die Haltung und Aufzucht von Pferden, das wussten die Planer.
Stallanlagen, ein Hotel, eine Schule, eine Jugendherberge, eine Gärtnerei, eine Försterei, eine Schmiede, eine Schäferei, eine Stellmacherei und ein Gutshof wurden auf einer Fläche von rund 800 Hektar in einem durchgängigen architektonischen Stil gebaut.

Seit über 100 Jahren steht auf dem Hochplateau am Rande des Werratals mit dem Gestüt Altefeld ein Paradies für Mensch und Pferd.

Von Oettingen hatte sich auf Reisen Anregungen geholt, am stärksten orientierte er sich bei seinen eigenen Planungen am Hauptgestüt Trakehnen. Die ganze Anlage war für vier Vollblut-Hengste ausgelegt, für die jeweils ein eigener Komplex mit Apotheke, Sattelkammer und Wärterstübchen und zwei Deckenhallen gebaut wurden. Zu jedem Hengststall führt eine Allee, die angrenzenden Weiden sind mit Mauern oder weißen Zäunen begrenzt. Bäume sorgen für den Schutz vor Wind und Wetter und bieten im Sommer Schatten.

Eine eigene Welt

Die Anlage wurde so geplant, dass das Gestüt eine autarke und abgeschlossene Welt bildete. Altefeld hatte seine eigene Stromversorgung über eine Turbine, die vom Ölbach angetrieben wurde. Es gab sogar ein Krematorium für verstorbene Tiere.

Die Gestütsmitarbeiter lebten in Doppelgehöften, die einen Stall und einen großen Gemüsegarten hatten. Lebensmittel

wurden von der eigenen Landwirtschaft erzeugt und auch das Futter für die Pferde kam aus eigener Herstellung.

Doris und Manfred Graf mit Tochter Elsa Luise Graf.

Selbst an ein Gasthaus und an ein Hotel hatten die Planer gedacht.

Das Hauptgestüt Altefeld ist das letzte deutsche Hauptgestüt, das gebaut wurde. Die meisten der Gebäude sind noch heute vorhanden und die Tatsache, dass sie alle eine planerische Handschrift tragen, machen den besonderen Reiz des Gestüts aus. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,4 Millionen Goldmark, umgerechnet sind das 13 Millionen Euro. Bis 1930 wurden auf Altefeld mit großem Erfolg Vollblüter gezüchtet.

Heute grasen 60 bis 80 Pferde und eine Herde Angus Rinder auf den Weiden. Eigentümer des Gestüts ist seit 1981 Manfred Graf, der aus dem Landkreis München nach Nordhessen gezogen ist.

„Ich hatte mir schon so einige Anlagen in ganz Deutschland angesehen und dann bin ich durch den Nebel die Serpentinen hochgefahren, die auf das Plateau führen. Als ich um die Kurve kam, lag da Altefeld im Sonnenschein“, erzählt Manfred und er strahlt auch heute noch, wenn er diesen besonderen Augenblick beschreibt.
„Wir haben bescheiden angefangen, aber es kam uns zu gute, dass Altefeld einen guten Namen für die Aufzucht hatte“, berichtet er. „Die Interessenten haben sich selber bei uns gemeldet.“

Schicke Sportpferde und Galloway-Rinder

Unterstützt von seiner Ehefrau Doris züchtet er heute Sportpferde, „Wir züchten leistungsbereite Pferde, die auch noch schön anzusehen sind“, fasst es Doris Graf zusammen.

Die Aufzucht und Ausbildung von jungen Warmblütern ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit auf Altefeld. Außerdem können auch einige Pferde ihr Gnadenbrot dort genießen.
„Bei uns haben es die Pferde richtig schön, die werden hier sehr alt, zum Teil bis zu 30 Jahre. Das sage ich auch immer den Eigentümern, damit die wissen, womit sie rechnen können“, sagt Doris Graf.
Die Begeisterung für das Gestüt zeigt sich auch darin, dass Manfred Graf ein Museum zur Geschichte der Anlage und der berühmten Pferde, die dort gezogen wurden, eingerichtet hat. Außerdem hat er mehrere Bücher zur Pferdezucht auf Altefeld geschrieben.
Mit Stolz berichtet er, dass einige Derbysieger Wurzeln in Altefeld haben, und die Zuchtgeschichte von Totilas, dem „Dressur-Wunderpferd“, auf Pferde aus Altefeld zurückgeht.
Schon mehrfach war das Gestüt Filmkulisse, denn auch außerhalb Nordhessens ist nicht verborgen geblieben, was für ein schöner Ort Altefeld ist.