Ökologisch, fair und gutaussehend

Nadja Feldle Harry Soremski
Henning Siedentopp, der Gründer von Melawear.

Es gibt nur wenig Labels in der Modewelt, die stylische und bezahlbare Kleidung produzieren – und das konsequent mit dem Blick auf die Nachhaltigkeit tun. Einer der wirklichen Vorreiter auf dem Gebiet ist Melawear aus Kassel. Gegründet 2014 von Henning Siedentopp, vertreibt das Unternehmen mittlerweile europaweit neben nachhaltig produzierten Sneakern und Rucksäcken auch eine Modekollektion für Damen und Herren.

„Wir wollen zeigen, dass es durchaus möglich ist, komplett nachhaltige Mode zu produzieren. Man muss es nur wollen. Es ist viel Arbeit, wir mussten viele neue Wege gehen und Überzeugungsarbeit leisten, doch nur so konnten wir zum Ziel kommen: Wirklich faire und nachhaltige Produkte für den Modemarkt zu liefern“, sagt Siedentopp, der mit seinem Team im Podcast ‚Step into the future‘ über Mode, Nachhaltigkeit und den gesellschaftlichen Wandel spricht.

Die Melawear Produkte wurden vor kurzem im ehemaligen Hallenbad Ost in Kassel in Szene gesetzt.

Dabei teilt das Modelabel sein Wissen, seine unternehmerische Philosophie und gibt den Hörern aus erster Hand Einblicke in die Textilindustrie. „Wer beispielsweise einen Rucksack von Melawear kauft, kann sich sicher sein, dass die Materialien alle dem ‚Global Organic Textile Standard‘ (GOTS) entsprechen – sei es die Baumwolle, die Metallschnalle, das Leder selbst, oder aber auch der Stoff, der sogar nach dem Fairtrade Cotton Standard produziert wurde. Wir möchten eine nachhaltige Qualität bieten, die Kunden woanders nicht finden. Auch wenn der Rucksack nach einigen Jahren verschlissen ist, möchten wir sicherstellen, dass aus den Materialien etwas Neues entstehen kann. Auch das ist eine klare Zielsetzung von uns.“

 

Im Hinterhof der Gottschalkstraße 51 werden die nachhaltigen Produkte von Melawear entwickelt.

Erst im September wurde das Kasseler Label vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem staatlichen Textilsiegel ‚Grüner Knopf‘ ausgezeichnet. Mit der Kombination aus ‚Fairtrade Cotton Standard‘ und GOTS übertrifft Melawear schon jetzt die anspruchsvollen Kriterien des staatlichen Siegels. „Die Entwicklung der Sneaker war ein zeitaufwendiger und mit 100.000 Euro Investment ein teurer Prozess. Die Realisierung eines Produkts mit solch hohen Nachhaltigkeitskriterien braucht viel Herzblut und großes Interesse“, erzählt Henning Siedentopp.

Die Bemühungen zahlen sich aus – auch weil immer mehr Konsumenten auf ‚fast fashion‘ verzichten wollen und bewusst in langlebige Mode investieren. „Menschen, die gesteigerten Wert auf Transparenz sowie ökologische und soziale Verantwortung legen, können sich genauso gut wie modebewusste Konsumenten, die eher auf Qualität und Design achten, mit unseren Marken identifizieren.“ Einen großen Erfolg erzielte daher auch der Rucksack „ansvar“, der das erste Modell eines Fairtrade Cotton und GOTS zertifizierten Rucksacks ist. Anfang 2020 wird die Melawear Kollektion, die  momentan aus T-Shirts, Blusen, Hoodies, Rucksäcken und Sneakern besteht, um gleich 20 neue Teile erweitert.

Ein großer Schritt, der Melawear auch für die großen Handelsmarken noch interessanter macht. Denn nachhaltige Mode, die einen solch hohen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandart liefert und dabei so transparent arbeitet, wollen immer mehr verantwortungsbewusste Kunden. „Mit dieser Idee der konsistenten Nachhaltigkeit wollen wir zeigen, dass unsere Produktion einen ökologischen Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt leistet und die Arbeitsbedingungen in den Ländern des globalen Südens nachhaltig verbessert.“

Die neuen Rucksackmodelle MELA II und MELA II Mini sowie Sneaker wurden vor kurzem im ehemaligen Hallenbad Ost in Kassel in Szene gesetzt.