Nordhessens Lucky Luke: Harald Fedder ist von Beruf Cowboy

Gabriela Grau Cattle Drive Team
Harald Fedder: "Ich bin Cowboy."

Schon als kleines Kind wusste Harald Fedder genau, was er später einmal werden würde: Cowboy. So wie in den Erzählungen von Karl May. Abenteuer pur und Wilder Westen-Romantik. Ob er der einzige Cowboy in Deutschland ist, vermag er nicht zu sagen. Doch vermutlich ist Harald Fedder der Einzige, der versucht davon zu leben.

Der vierjährige Harald Fedder hat auf die Frage „Was willst Du denn mal werden, wenn Du groß bist?“ geantwortet: „Cowboy“. Das war 1973. Im Jahr 2016 beantwortet Fedder die Frage nach seinem Beruf mit: „Ich bin Cowboy“. Zu seinen täglichen Arbeitsmaterialien gehören Striegel, Westernstiefel und Lasso. „Ob ich der einzige Cowboy in Deutschland bin, kann ich nicht sagen. Aber vermutlich bin ich der einzige, der versucht davon zu leben“, sagt Fedder. Seit dem Jahr 2000 verdient der 46-Jährige aus Edertal sein Geld mit Lasso- und Ranch-Workshops, Viehtrieb, Pferdeausbildung und Cowboy-Cooking (traditionelle Cowboy-Küche). Sein Wilder Westen: Ganz Deutschland.

„Ich war nie ein Mickey Mouse-Fan. Meine Comic-Welt bestand immer aus Buffalo Bill und Lucky Luke – das sind die Helden meiner Kindheit“, erzählt Fedder, der Ökologische Agrarwissenschaften an der Uni Kassel in Witzenhausen studiert hat. Vor rund 16 Jahren absolvierte Fedder sein Studien-Praktikum auf einem Mutterkuh-Betrieb in Hessisch Lichtenau. Dabei ploppte sein längst vergessener Kindheitstraum wieder auf. „Ich dachte mir: Die Arbeit mit den Rindern wäre so viel cooler mit Pferd, Hund und Lasso“, sagt Fedder. Gedacht, getan: Er lernte reiten, befasste sich mit Pferdeausbildung à la Monty Roberts und Buck Brannaman und übte sich im Umgang mit dem Lasso.

Harald Fedder ist vermutlich der Einzige in Deutschland, der versucht vom Cowboy-Dasein zu leben. Fotos: Cattle Drive TeamHarald Fedder ist vermutlich der Einzige in Deutschland, der versucht vom Cowboy-Dasein zu leben.

Fedders wichtigste Mitarbeiter: Pferd Turnback Baby und Australian-Cattle-Dog Quickley. „Als ich die Stute kaufte, war sie zwei Jahre alt. Ich habe sie selbst ausgebildet. Für unsere Arbeit ist es wichtig, dass ich sie mit Hilfe weniger Zeichen auch einzelne Schritte vor oder zurück bewegen kann“, erklärt der 46-Jährige. Denn wenn Fedder ein Rind mit dem Lasso gefangen hat, muss er auch vom Pferderü-cken absteigen können, um das Tier zu untersuchen. Dazu setzt er das Lasso auf Spannung und knotet es am Sattelknauf fest. Löst sich die Spannung, muss das Pferd auf Fedders Zeichen reagieren und einen Schritt zurück
gehen. Während Fedder die Herde zusammentreibt, kümmert sich Ehefrau Birgitt um die medizinischen Angelegenheiten. Die Tierärztin untersucht die Rinder, nimmt ihnen Blut ab und verabreicht ihnen Wurmkuren. „Viele Landwirte sind erstmal skeptisch, wenn da jemand mit Pferd und Lasso kommt“, sagt der Cowboy, „aber, wenn sie wissen und gesehen haben wie es funktioniert, sind sie begeistert.“ Denn Fedders Art mit den Herdentieren zu arbeiten, sei für die Rinder mit sehr viel weniger Stress verbunden.

Doch schon kurz nach der Firmengründung folgte die Krise: In Deutschland trat der erste BSE-Fall auf. „Für unsere junge Firma war das eine Katastrophe. In dieser Zeit habe ich mein Konzept weiterentwickelt. Seitdem biete ich Lasso- und Ranch-Workshops an, reite verschiedene Westernshows, bilde Pferde aus und koche am Lagerfeuer – eben wie im Wilden Westen, aber mitten in Deutschland“.

Ein Leben wie im Wilden Westen: Harald Fedder am Lagerfeuer.Ein Leben wie im Wilden Westen: Harald Fedder am Lagerfeuer.

Trainiert wird natürlich nicht sofort am echten Rind, sondern an einer Attrappe aus Stahl. Auch die Pferde der Workshop-Teilnehmer werden erst in der Reithalle des Pferdehofs mit dem schwingenden Seil vertraut gemacht.„Das Highlight der Kurse ist natürlich die Arbeit im Feld mit der Rinderherde. Die Pferde und auch die Reiter sind anders motiviert, wenn es ernst wird“, sagt der Cowboy und steigt auf sein Pferd.

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