Mit einem Pappkarton fing alles an

Ulf Schaumlöffel Ulf Schaumlöffel

Das Ladenlokal ist bis unter die Decke mit Büchern gefüllt, vor den einzelnen Regalen stehen meterhohe Stapel gebundenes Papier. Und für Kunden wird es eng im Laden.
In Zeiten des Internethandels werden klassische Ladenantiquariate zunehmend zur Seltenheit und sind fast selbst schon ein Relikt der Vergangenheit. Trotzdem, oder gerade deshalb, spielen sie eine wichtige Rolle im Buchhandel, dienen als Ort des Wiederverkaufs, des Erhalts und des Austauschs.


Das wohl größte Antiquariat Kassels befindet sich in der Elfbuchenstraße 12. „Mit einem Pappkarton fing alles an“, berichtet Eike Georg-Grabe. Die 74-Jährige machte sich im Jahr 1999 in der Elfbuchenstraße mit einem Antiquariat selbstständig. Vorher hatte sie viele Jahre in einem anderen Kasseler Antiquariat gearbeitet. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“
Jeden Nachmittag in der Woche öffnet sie ihren Laden, der vor allem auch durch viel Musik, Theater, Film und Tanz-Literatur glänzt.
Wie viele Bücher sie genau hat, weiß sie nicht. „Aber der Platz wird eng.“ Deswegen stapeln sich die Bücher fast zwei Meter hoch und die Gänge im Ladengeschäft sind schmal. „Ich kann aber auch kein Buch wegwerfen.“


„Ich kann kein Buch wegwerfen.“
Eike Georg-Grabe

Die Antiquarin bemängelt: „Heutzutage streben die Leute keine literarische Bildung mehr an. Es wird nur das konsumiert, was gerade gebraucht wird oder angesagt ist.“ Autorennamen wie Hermann Hesse, Georg Büchner oder Friedrich Dürrenmatt seien für viele fremd. Zahlreiche Literatur-Klassiker würden viele junge Leute gar nicht mehr kennen. Georg-Grabes Liebe zu Büchern war dagegen schon immer groß: „Ich wollte schon immer eine eigene Bücherei haben.“


Einige Bücher bestellt sie sogar extra für Leser im Online Antiquariat ZVAB und hat dort auch viele ihrer Bücher eingestellt. „Viele von den Kunden kommen dann aber nicht zur Abholung, und so bleiben die Bücher auch bei mir liegen. Ich nehme halt keine Vorkasse, sollte das aber eigentlich tun.“ Ihre Kundschaft ist gemischt. Es gibt nicht wirklich einen typischen Tag. Und was sie richtig freut: „Gerade in letzter Zeit kommen wieder einige junge Leute, die wieder lesen wollen und es vorziehen, ein Buch in der Hand zu haben, statt ein E-Book auf dem Handy zu scrollen. Da sind dann Bücher ab ein Euro ein guter Einstieg dafür. „Taschenbücher sind zwar keine Umsatzbringer, aber Türöffner.“ Beliebt seien auch Schallplatten, die wie viele weitere antike Sachen zum Sortiment gehören. Im Antiquariat befinden sich aber auch hochpreisige Ausgaben und Sammler-Editionen. „Für jeden ist etwas dabei, man muss nur mal stöbern.“


Ankaufen muss die Antiquarin nur wenig. Oft stehen morgens Bücherkisten vor ihrer Tür, die deren Besitzer einfach loswerden wollten. „Früher gab es Zeiten, in denen Bücher oft geklaut wurden und mir, gerade von Drogenabhängigen, zum Kauf angeboten wurden. Heutzutage wollen die Leute meist ihre Bücher nur noch entsorgen.“

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