Manufaktur Habbishaw: Teppich-Tradition aus dem Knüllgebirge

Julian Klagholz Harry Soremski
Der 38-jährige Teja Habbishaw übernahm 2013 die Leitung der Manufaktur.

Wolle von alten Landschaf-Rassen, in klarem Wasser gewalkt: Die Teppiche der Manufaktur Habbishaw sind zu 100 Prozent natürlich. Und hier werden sie auch produziert – mitten in der Natur auf einem Bauernhof im Knüllgebirge. Der Familienbetrieb besteht seit über 70 Jahren und wird seit 2013 in dritter Generation von Teja Habbishaw geführt. Der 38-Jährige war in der ganzen Welt zu Hause, bevor ihn der Weg zurück in das beschauliche Rückersfeld und den Familienbetrieb führte. In den vergangenen fünf Jahren hat er die ökologisch produzierten Teppiche zum absoluten Lifestyle-Produkt geformt – ohne
dem Größenwahn zu verfallen.

Umringt von Feldern und Wäldern, mitten im malerischen Knüllgebirge, liegt das kleine Dörfchen Rückersfeld. Stolze 25 Menschen nennen diesen Ort ihr Zuhause. Perfekte Voraussetzungen für ein ruhiges Leben, abseits des Stadttrubels. Das dachte sich auch Dietrich Habbishaw, der hier Anfang der 70er-Jahre mit seiner eigenen sowie drei weiteren Familien einen Bauernhof kaufte und eine Kommune gründete. Völlig autark mit selbst angebautem Gemüse und eigenem Vieh leben – das war der Traum von Habbishaw und seinen Mitstreitern. Nach weniger als zehn Jahren war es jedoch mit dem Kommunardenleben im Knüllgebirge schon wieder vorbei. Drei Familien verließen den Hof, die Habbishaws blieben.

Die „guten Zutaten“ für einen echten Habbishaw-Teppich: Die Wolle vom Walliser Schwarznasenschaf oder der Moorschnucke ist unbehandelt und in klarem Wasser gewalkt.

Mit der Auflösung der Kommune entschied sich Dietrich Habbishaw dazu, nicht nur in Rückersfeld zu leben, sondern auch den Familienbetrieb – eine Teppichmanufaktur mit Sitz in Diemelstadt-Wrexen – auf den Bauernhof umzusiedeln. Habbishaw verkleinerte den Betrieb, den er von seinem Vater, dem Firmengründer, übernommen hatte. In der Hochzeit hatten in Wrexen gut 30 Angestellte gearbeitet. Er spezialisierte sich fortan auf individuell gefertigte Teppiche – rein ökologisch produziert, unbehandelt, in klarem Wasser gewalkt, aus Wolle vom Walliser Schwarznasenschaf oder der Moorschnucke. Bis heute werden Habbishaw-Teppiche auf halbmechanischen Webstühlen nach ökologischen Maßstäben produziert. Trotzdem hat sich in den vergangenen fünf Jahren einiges im Hause Habbishaw verändert. Verantwortlich dafür ist Dietrichs Sohn Teja. Der 38-Jährige, der vier weitere Geschwister hat, übernahm am 1. Januar 2013 die Leitung der Manufaktur – gegen den Willen seines alten Herren. „Mein Vater wollte nie, dass ich oder eines meiner Geschwister den Betrieb übernehmen“, erzählt Teja Habbishaw. Zu hart und ungewiss sei das Geschäft vor allem in den 90er Jahren gewesen. „Er wollte immer, dass wir raus kommen und etwas von der Welt sehen.“

Und alle Kinder sollten ihrem Vater diesen Wunsch erfüllen. Auch Teja zog es weg aus Nordhessen – seine erste Station war Santa Barbara in Kalifornien. „Hier habe ich Ersatzzivildienst geleistet“, sagt Habbishaw, der in den folgenden Jahren zum Globetrotter avancierte. In Bangladesch leistete der 38-Jährige Entwicklungshilfe. Im Anschluss stieg er in die Tourismusbranche ein, mit Stationen in Griechenland und Österreich. „Parallel habe ich Tourismus- und Sportmanagement studiert“, erklärt Habbishaw.

Redakteur Julian Klagholz im Gespräch mit Teja.

Erst 2008 führte der Weg den heutigen Chef der Teppichmanufaktur wieder zurück in die Heimat. „Es war auf dem Hessentag in Homberg. Hier habe ich Markus Schott, den Entwickler der ‘My Vale’-Sandale getroffen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und so habe ich die Vermarktung für das Produkt übernommen“, erinnert sich Habbishaw. Nach ein paar Jahren habe er jedoch den Entschluss gefasst, den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen. So führte der Weg wieder zurück in den Familienbetrieb in Rückersfeld. Nach zweijähriger „Probezeit“ als Angestellter seines Vaters übernahm Teja Habbishaw den Familienbetrieb und bereut die Entscheidung bis heute nicht. „Ich wollte immer ein Produkt verkaufen, hinter dem ich zu 100 Prozent stehe. Das habe ich hier zu Hause gefunden“, betont der Rückersfelder.

Hier entsteht ein echtes Öko-Lifestyle-Produkt: In der Teppichmanufaktur Habbishaw wird bis heute auf halbmechanischen Webstühlen produziert.

Dem guten Produkt habe jedoch ein modernes Marketingkonzept gefehlt. „Die Homepage war veraltet und musste komplett neu gestaltet werden“, sagt Habbishaw. Unter anderem wurde ein Konfigurator angelegt, mit dem Kunden ihren Wunschteppich gestalten können. Auch an der Präsentation hat der Marketingspezialist nach der Geschäftsübernahme gefeilt. „Anfangs war mein Vater von all den Neuerungen nicht begeistert“, gibt der 38-Jährige zu. Mittlerweile stehe er jedoch hinter der neuen Ausrichtung der Manufaktur. Die ist deutlich zu erkennen: Teja Habbishaw hat die hochwertigen und nachhaltig produzierten Teppiche aus der Öko-Ecke geholt und zu einem Lifestyle-Produkt geformt. „Unsere Teppiche sind ein Wohnaccessoire und als solches vermarkten wir sie“, so der ehemalige Weltenbummler. Wie viel Esprit seine Teppiche versprühen, zeigt der Manufakturant in seinem Showroom, den er in die ehemalige Scheune des Bauernhofs bauen ließ und ebenfalls Teil des Konzepts ist. „Vorher war hier ein Scheunentor, jetzt ist hier ein großes Schaufenster, das Einblick in den Betrieb gewährt. Unsere Kunden sollen sehen, wie wir produzieren und was wir verarbeiten“, betont Habbishaw – sei es die Arbeit an den Webstühlen, das Spinnen der Wolle oder der Blick in die „Kammer der guten Zutaten“, wie der Chef den Lagerraum für die Wolle bezeichnet. Der 38-Jährige hat noch viele Ideen und Konzepte, die er in den kommenden Jahren verwirklichen und umsetzen möchte. Eines soll dabei jedoch unverändert bleiben: Die Qualität der Habbishaw-Teppiche.