Leon Glatzer – Erfolgreicher Surfer mit Kasseler Wurzeln

Marcel Ehrig Harry Soremski

Surfen ist sein Leben. Vielleicht auch kein Wunder, wenn man auf Hawaii geboren und in Costa Rica aufgewachsen ist. Leon Glatzer hat einen besonderen Bezug zu Kassel und gehört zu den besten Surfern Deutschlands. Die Geschichte eines Mannes, der die Surf-Welt erobern will. Elegant reitet er auf dem Kamm der Welle, mit einer schnellen Bewegung rast er nach unten, nur um Sekundenbruchteile später wieder nach oben zu schnellen und mit seinem Board über die Welle hinweg in die Luft zu springen. „Das liebe ich, das ist wie Fliegen“, sagt Surfprofi Leon Glatzer mit glänzenden Augen und leichtem Akzent. Geboren ist Leon Glatzer auf Hawaii, groß geworden ist er in Costa Rica – seine Wurzeln liegen in Kassel. Er spricht sehr gut Deutsch, fühlt sich im Englischen aber wohler. Im Internet gibt es viele dieser Videos in denen er zu fliegen, mit den Wellen zu spielen scheint und das Surfen so einfach aussehen lässt. Und genau so hat seine Karriere begonnen – mit einem Video auf Youtube.

Wenn er älter ist, kann sich Leon Glatzer vorstellen in Kassel zu leben. Hier testet er schon mal die Wassertemperatur der Buga.

„Mit 14 Jahren habe ich Surf-Videos von mir auf Youtube hochgeladen, dann hat es nicht lange gedauert und die Firma Volcom hat sich bei mir gemeldet und wollte mich sponsern“, erzählt Glatzer. Jetzt ist er einer der besten Surfer Deutschlands – so funktioniert Talentscouting im 21. Jahrhundert. Seitdem reist der 20-Jährige um die Welt, arbeitet an Orten, an denen die Schönheit der Natur überwältigend ist. Dazu gehört natürlich auch Kassel. Hierher kommt Leon Glatzer aber nicht um Turniere zu gewinnen, sondern um seine Familie zu besuchen. „Meine Mutter kommt aus Kassel, mit ihr besuche ich meine Großeltern, wenn es die Zeit zulässt. Besonders gut kenne ich die Stadt zwar nicht, aber ich bin gerne hier.“ Noch lieber ist er im Meer. Doch als er neun Jahre alt war, zog seine Mutter mit dem kleinen Leon in die Stadt, damit er dort zur Schule gehen konnte. Plötzlich war das Meer weit weg – sechs Stunden, um genau zu sein. „Das war wirklich schlimm für mich“, erinnert sich Glatzer. Zum Glück ging es vier Jahre später mit dem Auto zurück an den Strand, nach Pavones in Costa Rica. Ein Jahr später begann seine Profikarriere. „Ich liebe es einfach im Wasser zu sein, das Wasser zu spüren. Wenn ich surfe, kann ich alles andere vergessen“, sagt er.

In seinem Element: Leon Glatzer fühlt sich auf seinem Surfbrett im Wasser am wohlsten.

Leon Glatzer trainiert täglich rund sieben Stunden. Allerdings nicht nur im Wasser: „Kondition, Koordination, Kraft – das gehört zum Surfen natürlich dazu“, sagt er. Sommer, Sonne und Strand – nicht immer, denn Leon Glatzer kann auch anders: „In Norwegen in der Arktis zu surfen war unglaublich – und sehr kalt“, sagt er und lacht, „Spaß hat es aber trotzdem gemacht.“ Kein Wunder, schließlich wurde er dafür von der Uhrenmarke Casio bezahlt. Im nächsten Jahr will er auf die World Tour, dann würde er zu den besten 32 Surfern der Welt gehören – jetzt ist er in der Rangliste unter den Top 200. „Und mit der deutschen Surf-Nationalmannschaft will ich zu den Olympischen Spielen 2020, das wäre ein Traum“, so Glatzer. Als frischgebackener Olympiasieger kehrt er dann nach Deutschland zurück und lebt in Kassel. „Das kann ich mir vorstellen“, sagt er mit einem Lächeln, „aber erst, wenn ich zu alt zum Surfen bin.“