Kulturzelt-Programm: Die Mischung macht’s

Ulf Schaumlöffel Ulf Schaumlöffel

Seit 30 Jahren ist das Kulturzelt Kassel an der Drahtbrücke am Auedamm der musikalische Hot Spot in Kassel: An einem Abend Jazzclub, am nächsten elektronische Dancehall. Für die künstlerische Vielfalt sind Angelika Umbach und Lutz Engelhardt zuständig.

Für die künstlerische Vielfalt im Kulturzelt Kassel sind Angelika Umbach und Lutz Engelhardt verantwortlich. Foto: SoremskiFür die künstlerische Vielfalt im Kulturzelt Kassel sind Angelika Umbach und Lutz Engelhardt verantwortlich.

Das Sommerfestival – seit 2010 in der modernen, leuchtenden Konzertmuschel beheimatet – ist in Deutschland einmalig. Dass Angelika Umbach und Lutz Engelhardt für das Kulturzelt-Programm den richtigen Riecher haben, beweisen beide mit ihrer Leidenschaft für gute Musik und Mut zu Neuem seit Jahrzehnten – und jedes Jahr aufs Neue.

Was 1987 zunächst als städtisches Begleitprogramm zur documenta und als Bereicherung des sommerlichen Kulturkalenders gedacht war, hat sich in drei Jahrzehnten zu einem hochkarätigen Festival mit besonderem Flair entwickelt. Was mit Sicherheit auch daran liegt, dass die beiden Kulturzelt-Macher nie mit dem Strom geschwommen sind und so dem Kulturzelt ein eigenes Profil verschafft haben.

„Das hat natürlich nie allen gefallen, aber wie sich nun mal die Musik im Laufe der Jahre verändert, so müssen wir auch das Angebot ändern. Einige Kritiker werfen uns vor, dass wir unser Programm zu sehr verjüngt hätten oder zu kommerziell werden. Aber wir wollen eben ein breitgefächertes Angebot bieten“, so Angelika Umbach, die sich seit 1989 um das Programm kümmert. „Es gibt halt heute mehr phänomenale Musik, als je zuvor.“ Engelhardt, der bereits seit 1988 für unzählig schöne Abende am Kulturzelt sorgt, erinnert sich an die Anfänge: „Das erste Zirkuszelt, in dem die Künstler auftraten, hatte noch nicht mal einen Boden und es staubte bei den Konzerten immer.“ Und weiter: „Für mich ist es das Schönste, wenn die Gäste zusammen im Kollektiv feiern.“ Für viele Künstler waren ihre Auftritte im Kulturzelt auch das Sprungbrett zur großen Karrieren. „Einige Jazz-Bands eroberten später die großen Bühnen der Welt“, schwärmt Engelhardt. „Komiker Helge Schneider absolvierte bei uns auch seine ersten Auftritte.“ Damals habe er für 1.800 Mark Gage gespielt und mit seinem Wohnmobil in der Aue campiert. Mit den Jahren habe sich natürlich vieles verändert. Gestartet im Zeitalter von Musikkassetten und Walkman gehört heute natürlich auch das soziale Netzwerk Facebook dazu: „Dort können uns Gäste beispielsweise ihre Wünsche oder Tipps mitteilen, wen sie gern im Kulturzelt hören möchten.“ Mit der Programmplanung sind die beiden Musik-Liebhaber das ganze Jahr über beschäftigt. Derzeit werden schon Künstler für 2017 gesichtet.

„Das Schöne ist, dass Künstler auch gern zu uns wiederkommen, obwohl sie schon international bekannt sind und dadurch für uns eigentlich unbezahlbar sind. Die Künstler kommen wegen dem besonderen Flair“, erzählt Engelhardt. „Ein großes Lob müssen wir da natürlich auch unseren Sponsoren und dem Team aussprechen, ohne die all das gar nicht möglich wäre“, so Umbach.

Aber nicht alles lief in den letzten drei Jahrzehnten rosig: Dreimal in den letzten 30 Jahren wurden beispielsweise in nächtlichen Aktionen die Zeltseile durchschnitten, so dass das Zelt zusammenbrach.

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