Jede Woche neue Monster für die Sammlung

Nadja Feldle Nadja Feldle

Aufgeregt und voller Vorfreude öffnet Till das kleine Karten-Päckchen. Vielleicht befindet sich in dieser Booster-Packung endlich die fehlende Pokémon-Karte. Vorsichtig wird der Inhalt aus der Folie gezogen und die enthaltenen Karten inspiziert. Und tatsächlich: „Die haben wir noch nicht, Papa!“ Der fünfjährige Jesberger sammelt und tauscht gemeinsam mit seinem Vater Christoph Schiel Pokémon-Karten.

Über 5.000 Sammelkarten, die es schon seit  2000 zu kaufen gibt, besitzen die beiden – und es werden wöchentlich mehr. „Jede Woche erhalten wir Tauschpost, also Karten, die ich über das Internet – zumeist über Instagram – mit anderen Sammlern getauscht habe. Ab und an kaufen wir aber auch noch Booster im Spielwarenhandel, doch da ist die Wahrscheinlichkeit, eine neue dabei zu haben, eher gering“, erklärt Papa Christoph. Vor zwei Jahren zeigte ein Kumpel ihm die neuen Karten der kleinen Monster, die 1996 in Gameboy-Spielen gefangen werden mussten und um die Welt gingen und auch heute nicht mehr wegzudenken sind. 2016 folgte erneut ein extremer Hype mit Pokémon Go. Massenweise zogen Menschen durch die Gegend und fingen die virtuellen Monster mit dem Handy.  Auch die Sammelkarten erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es über 7.000 verschiedene Motive, die man sich zu Decks zusammenstellen kann.

„Uns gefallen allerdings besonders die alten Karten der ersten Generation. Die haben einfach noch am meisten Charme, wobei die neueren Karten natürlich grafisch aufwendiger gestaltet sind.“ Nach seinem Lieblings-Pokémon gefragt, erhält man von Till die Antwort: Pikachu. Das ist die gelbe Donnermaus des Pokémon-Helden Ash und das bekannteste Pokémon der mittlerweile über 900 Monster. Kein Wunder also, dass Pikachu nicht bloß die Kinderzimmerwand von Till ziert, sondern auch in bisher 193 verschiedenen Ausführungen als Spielkarte verfügbar ist. Die Lieblingskarte des Vierjährigen ist die Rainbow Pikachu Karte, die – je nach Zustand – auch mehrere hundert Euro wert sein kann. „Anfangs waren wir beide wirklich wie irre und haben in kurzer Zeit fast 3.000 Euro für Booster ausgegeben. Die kosten fünf Euro, sind fast überall erhältlich und enthalten zehn Karten. Hier ist die Aufregung natürlich immer am größten, weil man nicht weiß, was man bekommt und ob nicht vielleicht eine besondere Karte dabei ist. Später kamen dann auch immer mehr ertauschte Karten hinzu, um unsere Sammlung zu vervollständigen“, erklärt der 33-Jährige.

Die wertvollsten und von Gutachtern bewerteten (gegradeten) Karten befinden sich in einem Schutzrahmen verpackt in einer eigenen Vitrine im Wohnzimmer und nicht bei den anderen Karten in den vielen Sammelordnern. Knapp 500 Euro ist die wertvollste Karte der beiden wert. Je nach Seltenheit und Zustand können die Karten bewertet (Grading) werden. Je besser bewertet sie sind, desto höhere Preise kann man damit erzielen. So gibt es durchaus Karten, die im perfekten Zustand mehrere zehntausend Euro wert sein können.

„Für uns ist der Wert der Karten aber eher nebensächlich. Uns geht es um die Spannung, wenn wir vielleicht eine fehlende Karte ergattern können und um die Sammelleidenschaft. Und wenn wir zwei nicht gerade im Wald an der frischen Luft unterwegs sind, haben wir immer et was zu tun“, so Christoph Schiel, während Till im Hintergrund die neu erworbenen Karten fachmännisch sortiert und freudig in die Ordner packt. Wer mit den beiden tauschen möchte, kann sicher via Instagram an Christoph alias schiel2k15 wenden.