Interview mit dem Leiter des Naturkundemuseums Dr. Kai Füldner

Laura-Madlein Scharpen Harry Soremski

Langweile kennt Dr. Kai Füldner nicht. Seit 2005 ist der promovierte Forstwissenschaftler Leiter des Naturkundemuseums. Dabei traut er sich auch Tabuthemen anzugehen, wie etwa zuletzt bei der Sonderausstellung „Sex und Evolution“. Anfang letzten Jahres wurde Dr. Füldner zusätzlich zum neuen Leiter des Stadtmuseums berufen. Viel Arbeit, die der Direktor mit musealer Leidenschaft, moderner Betrachtung und pädagogischer Herangehensweise managt.

Anfreunden mit dem Beton-Look

Herr Dr. Füldner, Sie sind Leiter des Naturkundemuseums und studierter Forstwissenschaftler. Wie passt Ihre Vita zu stadthistorischen Themen?

Ich bin zwar als Leiter neu hinzugekommen, aber das Team im Stadtmuseum hat sich nicht geändert. Das historische Know-How ist ja weiterhin vorhanden. Meine Aufgabe liegt darin, das Museum, das komplett renoviert wurde, neu in die Spur zu bringen. Es geht darum, die Mannschaft zusammen zu halten,
zu wissen, wie ein Museum gestaltet werden muss. Ich weiß, wo man Schwerpunkte setzen muss, damit die Bevölkerung Zugang zu der eigenen Geschichte und Identifikation mit ihrer Stadt findet.

Wie sehen Ihre Aufgaben im Stadtmuseum konkret aus?

Als Chef dieses Stadtmuseums muss ich darauf achten, welche Sonderausstellungen wir zeigen wollen. Ausstellungsbau und auch Entwicklung ist etwas was ich persönlich gut kann, da ich immer viele Ideen habe. Auf die Sonderausstellungen wird es in Zukunft drauf ankommen. Denn die Dauerausstellung steht ja länger und es ist nichts langweiliger, als sich auf etwas auszuruhen. Man muss immer am Ball bleiben, da auch Stadtgeschichte permanent im Wandel ist.

Wohin wollen Sie das neue Stadtmuseum führen?

Die Sammlung soll im Hintergrund bewahrt und erweitert werden, um daraus die Sonderausstellungen zum Teil zu speisen. Dabei will ich verschiedene Objektgruppen miteinander verknüpfen und Zusammenhänge erklären, also Drei-Dimensional arbeiten. Ich möchte, dass das Stadtmuseum auch für eine breite Bevölkerungsschicht interessant wird.

Leiter des Naturkundemuseums Kassel und des Stadtmuseums - Dr. Kai Füldner. Fotos: SoremskiLeiter des Naturkundemuseums Kassel und des Stadtmuseums – Dr. Kai Füldner.

Im Naturkundemuseum wird viel Wert auf Museumspädagogik gelegt. Wie wird das im Stadtmuseum sein?

Wir haben auch im Stadtmuseum einen eigenen Pädagogen. Bei jeder Ausstellung, die wir bauen, ist die Museumspädagogik miteinbezogen. Es gibt einen extra großen Raum für die pädagogische Arbeit, in dem verschiedene Veranstaltungen stattfinden können.

Wie gefällt Ihnen die neue Architektur im Museum?

Ich musste mich mit diesem Betonlook im inneren auch anfreunden und versuche an einigen Stellen diesen harten Look etwas zu brechen. Auf der anderen Seite hat man einen sehr reduzierten Raum, der die Ausstellung nicht dominiert. Aber die Herausforderung ist auch, einen solchen Raum so zu gestalten, dass die Besucher keine Beklemmungen bekommen, weil sie in einem Betonwürfel stehen.

Worauf können sich die Besucher im Stadtmuseum freuen?

Ein neues und nach modernen Gesichtspunkten gestaltetes Museum, in dem die Kasseler Stadtgeschichte in einem neuen Licht erstrahlt. Und zwar bis zum jetzigen Zeitpunkt, denn Stadtgeschichte findet jeden Moment statt und das zeigen wir auch.

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