In Calden leben Hochlandrinder auf der Kingwood Highland Farm

Marcel Ehrig Harry Soremski

Sie heißen Mercedes, Mary Jane, Frau Braun, Ellaria, Christa, Leia und Padme. Das ist ungewöhnlich, denn in der Regel haben Rinder keine Namen, wie Marius Rau und Nils Tolle erzählen. Wieso auch Rindern Namen geben, die übermorgen auf die Schlachtbank geführt werden? Auf der Kingwood Highland Farm in Calden läuft das ein bisschen anders, denn dort geht es nicht um das schnelle Geld, sondern um das Tierwohl und somit um Fleisch von hoher Qualität.

Alles begann auf einem Weinfest an der Mosel, als Marius und Nils mit Freunden auf einer Wiese saßen, sie ein paar Kühe beobachteten und beschlossen, selbst Kühe zu halten. „Wir wollten aber nicht so eine 0815-Farm sein und die Tiere in einem viel zu kleinen Stall halten“, sagt Nils. Auch welche Tiere genau sie halten wollen, war ihnen noch nicht klar.

„Wir wollten aber eine ganzheitliche Mutterkuhhaltung gestalten und nachhaltig arbeiten. Wir mögen keine Massentierhaltung, essen aber trotzdem gerne Fleisch. Bestes Fleisch in höchster Qualität anbieten zu können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, das ist unser Ziel“, sagt Marius.

Und nach einem Besuch der Bundesrassenschau war es klar: Ihre Wahl fiel auf die Scottish Highland Cattle, eine „liebe Rasse“, erklären die Beiden. Eine liebe, sehr robuste Rasse, die auch im Winter draußen gehalten werden kann und mit ihrem langen Fell noch etwas Gemütliches ausstrahlt. Nach einer lokal angelegten Crowdfunding Kampagne waren dann Frau Braun, Mary Jane und Mercedes die ersten Hochlandrinder auf der Kingwood Highland Farm. Marius und Nils betrachten die Rinder eher als Mitarbeiter, die ihnen helfen nachhaltig zu arbeiten, indem sie naturnah gehalten werden und den Maschineneinsatz reduzieren.

Mittlerweile leben auf der Farm sieben Rinder auf rund 80 Hektar – also einer Fläche, so groß wie 113 Fußballfelder. Sie leben dort gemeinsam mit Pferden und Kühen anderer Betriebe auf der Fürstenwalder Weide GbR. Für zwei Leute zu viel Arbeit, weshalb Nils Tolle und Marius Rau die Farm auch nicht alleine bewirtschaften. „Mit fünf Freunden kümmern wir uns um die Rinder, zum Teil kennen wir uns noch aus der Schule“, sagt Marius. Im Gegensatz zu den beiden haben sie keinen argrarwissenschaftlichen Hintergrund, einer ihrer Freunde ist zum Beispiel Industriemechaniker. „Am Anfang war es uns wichtig, die Tiere an uns zu gewöhnen, so dass sie auch bei dem Besuch von Kinder- und Jugendgruppen ihre Gelassenheit an den Tag legen. Das dauert natürlich und ist zeitaufwendig. So fällt es manchmal schon schwer, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden“, sagt Nils. Die Arbeit mit den Rindern ist allein deswegen schon zeitaufwendig, weil die Tiere überall auf der 80 Hektar großen Fläche sein können, in einem Stall sähe das anders aus. Ebenfalls wichtig ist ein gutes Auge: „Das macht schon viel aus. Allein daran wie die Kuh liegt, kann man erkennen, wie es ihr geht“, erklärt Marius – das Tierwohl steht bei ihnen an erster Stelle.

Nils Tolle (li.) und Marius Rau haben mit Freunden das Konzept der Kingwood Highland Farm entwickelt und bewirtschaften sie gemeinsam mit fünf Freunden.

Doch bei aller Liebe zu den Tieren, irgendwann wird trotzdem geschlachtet, so hart das auch klingen mag. Allerdings haben die Rinder dann ein langes Leben in der Natur und nicht ein kurzes im Stall geführt. „Es geht darum, bewusster Fleisch zu essen“, sind sich die beiden einig. Deutschlandweit ist der Fleischkonsum zwar rückläufig, der Verzehr von Rindfleisch ist in den vergangenen zehn Jahren aber gestiegen, obwohl Rindfleisch teurer als zum Beispiel Schweinefleisch ist. Die Kingwood Highland Farm liegt also im Trend. Doch bis das erste Tier groß genug ist und es geschlachtet wird, dauert es noch – Nils Tolle und Marius Rau schätzen im Jahr 2021 ihr erstes Hochlandrindfleisch aus eigener Nachzucht zu verkaufen. Bis dahin vermarkten sie die unter den gleichen Bedingungen gehaltenen Angusrinder des elterlichen Hof Tolle. Sie lassen es also ruhig angehen, ähnlich wie die Scottish Highlands auf der Kingwood Highland Farm.