Helfen ist sein Hobby

Helfen ist sein Hobby: Kai Knierim an der Fulda vor dem Rondell, an dem traditionell der Zisselhäring aufgehängt wird.

Es ist eigentlich egal, welche Großveranstaltung man in Kassel besucht, einen Mann trifft man in der Regel immer: Kai Knierim. Doch nicht etwa, weil Knierim so gerne alle Feste mitnimmt, sondern weil er unter anderem als stellvertretender Stadtbrandinspektor für einen geregelten Ablauf sorgt. Ehrenamtliches Engagement in „seiner“ Region fühlt sich für ihn nur selten nach Arbeit an.

Wenn sich der Platz vor der Bühne füllt und so wie beim Konzert der Ärzte beim Hessentag 2013 das Gedränge zunimmt, dann steht Kai Knierim abseits und beobachtet. Als stellvertretender Stadtbrandinspektor ist er mit weiteren Ehrenamtlichen dafür verantwortlich, dass die Veranstaltungen sicher über die Bühne gehen. „Das Konzert der Ärzte war schon ein Highlight“, sagt Knierim, überlegt kurz und führt aus: „sonst fällt es mir aber eher schwer, ein bestimmtes Erlebnis hervorzuheben.“

Kein Wunder, bei so vielen Einsätzen über die vergangenen 35 Jahre. Er habe sich das mal ausgerechnet und sei auf 1.600 Stunden ehrenamtliche Arbeit im Jahr gekommen, erzählt Knierim, der hauptberuflich beim Landesbetrieb Bau und Immobilen Hessen angestellt ist. Schon beim schweren Erdbeben 1999 bei Izmit in der Türkei hat er geholfen, war maßgeblich am Bau der Flüchtlingsunterkünfte 2015 beteiligt und packte auch jetzt wieder mit an, als schnell Unterkünfte für ukrainische Kriegsflüchtlinge gebraucht wurden.

 

In seinem Element: Der stellvertretende Stadtbrandinspektor Kai Knierim vor dem neuen Feuerwehrhaus in Wolfsanger.

Oftmals falle er nach einem langen Tag auf die Couch und merke dann wieder, wie gut wir es eigentlich haben. „Die Situation 2015 mit den vielen Flüchtlingen war schon bewegend“, sagt Kai Knierim und beschreibt, wie er und seine Kollegen den Kindern aus der Unterkunft zeigten, wie man eine Schneeballschlacht macht. „Sie hatten ja zuvor noch nie Schnee gesehen. Das sind Erfahrungen, die prägen einen fürs Leben. Am Ende, als die Menschen die Unterkünfte wieder verlassen haben, bekamen wir alle ein selbstgebastelten Aufsteller mit der Aufschrift ‚Dankeschön‘ geschenkt. Das war eine tolle Geste und hat mich sehr berührt.

Der Aufsteller steht seitdem auf meinem Schreibtisch.“ Doch woher nimmt man dann die Kraft und die Zeit für so viel Engagement? „Wichtig ist schon Mal, dass es zu Hause passt“, sagt er und lacht. „Außerdem macht es mir einfach viel Spaß, auch wenn es mal anstrengend ist. Für meine anderen Hobbys schaufele ich mir eben an anderer Stelle Zeit frei“, sagt er. Um von seinem großen Hobby Ehrenamt mal abzuschalten, fährt er mit seinem Mountainbike durch Nordhessen oder bereist die Welt.

Er sei da irgendwie reingerutscht, sagt Knierim schon fast entschuldigend, auf die Frage, wann er sein erstes ehrenamtliches Engagement begonnen habe. Schon mit sechs Jahren hat er gefallen am Helfen gefunden, als er in Wilhelmshausen an der Fulda beim Bau eines Bootes helfen durfte. Es folgte ein Engagement beim DLRG, später bei der Freiwilligen Feuerwehr Wolfsanger, wo er seit 2007 Wehrführer ist, hinzu kommt seine schon erwähnte ehrenamtliche Stelle als stellvertretender Stadtbrandinspektor.

Und wer ab und an die Spiele der Kassel Huskies besucht, findet den 42-Jährigen auch in der Eissporthalle. Hier unterstützt er die Verantwortlichen im Management und ist Sicherheitskoordinator. Haben wir was vergessen? Ja! Seit mehr als 20 Jahren ist er Teil der großen Zissel-Familie, ist unter anderem als Rocket-Man Teil der Wasserskishow und maßgeblich bei der Organisation des Landfestzuges am Zisselsonntag beteiligt.

„Es ist einfach super, dass der Zissel in diesem Jahr wieder stattfinden kann, das Fest hat uns doch allen gefehlt“, sagt Knierim. Dabei tanzt er nicht auf so vielen Hochzeiten, weil er gerne im Mittelpunkt steht – ganz im Gegenteil. Wenn er im Mittelpunkt steht, hat man ihm kaum eine andere Wahl gelassen. So wie für seine Verdienste rund um den Zissel. Für die bekam er die begehrte Paul Heidelbach Medaille verliehen. Die Laudatio hielt Oberbürgermeister Christian Geselle und sparte nicht mit Lob. „Das war natürlich schon toll und eine Wertschätzung. Ich mache das zwar nicht für den Ruhm oder sowas, aber gefreut hat es mich trotzdem. Wenn die Veranstaltung erfolgreich verlaufen ist und die Leute glücklich nach Hause gehen, bin auch ich zufrieden “, sagt Kai Knierim.

Und so freuen wir uns in diesem Jahr endlich wieder auf die vielen tollen Großveranstaltungen und Feste, egal ob Zissel, die kleinen Volksfeste  oder die documenta. Bei Letzterem wird Kai Knierim mal nicht im Einsatz sein – zumindest noch nicht, sagt er und lacht, fügt aber dann hinzu: „Nein, im Ernst, man kann auch nicht überall dabei sein. Ich bleibe bei meinen Aufgaben und mache die dann lieber mit voller Kraft“. Davon scheint Kai Knierim jede Menge zu besitzen.