Heimatverbundenes Bauunternehmen: Die Hermanns AG

Victor Deutsch Harry Soremski

Die Branche boomt: Ob Wohnungsbau oder öffentliche Gebäude, Straßen und Kanäle − wo Kran und Bagger stehen, bewegt sich was. Ein Unternehmen aus der Region mischt dabei in ganz Deutschland mit und ist dabei weiter heimatverbunden. Den Bau des Flughafens Calden in Rekordzeit und pünktlich abgeschlossen zu haben ist nur eines der vielen Projekte der Firma Hermanns vor der Haustür, auf die man stolz ist. Dinge tun zu können, die nicht jeder kann − das nennt Vorstandsmitglied Dr. Anne Fenge als eine der Kernkompetenzen der Firma, die seit 67 Jahren existiert.

Wenn Dr. Anne Fenge morgens in die Gummistiefel steigt, ist es noch zu früh für jede Baustelle. Emmi und Brösel, zwei Curly Coated Retriever, fordern schwanzwedelnd ihre Gassi-Runde. Mitinhaberin von Nordhessens größter Baufirma, der Hermanns AG, genießt – und braucht – diese Spaziergänge auch an Regentagen: „Jeder muss mal abschalten, den Kopf frei bekommen“, sagt sie. Wenn sie später im Auto auf dem Weg zur Firma sitzt, würde sie jede gewählte Route an einem Hermanns-Bau vorbeiführen: Die Wingas-Zentrale im Königstor, der Kanalbau auf der Friedrich-Ebert-Straße oder die Erweiterung des Kongress Palais wurden in der Firmenzentrale in der Wilhelm-Speck-Straße ausgearbeitet. „Das macht mich schon stolz“, sagt Fenge, die sich den Leitspruch ihres Vaters und Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Fenge zu eigen gemacht hat: „Man muss ständig für Neues offen sein, sonst scheitert man“. Später im Büro wird die morgendliche Stille von großer Betriebsamkeit abgelöst.

Rund 370 Mitarbeiter arbeiten in Kassel und Erfurt. Unter der Leitung der Aktiengesellschaft sind mehrere Tochterunternehmen angesiedelt, die in den Bereichen Hoch- und Ingenieurbau, Schlüsselfertigbau, Tief- und Deponiebau, Rohrleitungsbau (Gas, Wasser, Fernwärme) und „Bauen im Bestand“ ebenso zuhause sind wie in der kompletten Immobilienverwaltung. Gemeinsam mit Ehemann Swen Haar und Hans-Ulrich Hujer führt Anne Fenge das Unternehmen. Sie ist die Enkelin des Firmengründers Karl Holzapfel, der 1950 mit der Übernahme der Niederlassung Kassel der Firma Gebrüder Hermanns aus Oberbruch bei Eschweiler (Rheinland) den Grundstein zur Firmen-Erfolgsgeschichte legte. 2004 stieg Dr. Anne Fenge ins Unternehmen ein: „Als Frau in einer Führungsposition – und dazu noch in der Männerdomäne Bau – da muss man sich schon behaupten lernen“, blickt sie schmunzelnd auf die Anfänge zurück. Längst hat sie sich den Respekt der Mitarbeiter erarbeitet. Und weiß um deren Anteil am Erfolg des Unternehmens: „Damals wie heute sind es drei Dinge, die den Erfolg ausmachen: Zuverlässigkeit, Qualität und versierte, motivierte Mitarbeiter“, sagt sie. Nur so erlangt man höchste Kundenzufriedenheit – egal, ob kleine wie große, einfache oder komplexe Bauvorhaben umgesetzt werden müssen.

Gassirunde für gute Gedanken: Dr. Anne Fenge mit den Hunden Brösel und Emmi.

Im Jahr 2017 hat man einen Auftragsbestand, der so hoch ist, wie noch nie in der Geschichte der Firma. „Überwiegend heiter“, könnte man die Lage beschreiben – auch wenn manch düstere Wolken vorüberzieht: „Bei der aktuellen Dieseldebatte blicken wir sorgenvoll auf unseren Fuhrpark. Und auch junge Menschen für die Branche zu begeistern, wird schwerer.“ Probleme, die man in der Branche teilt. Daher engagiert sie sich im Vorstand des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen e.V.. In ihm haben sich über 250 mittelständische und große Unternehmen mit rund 20.000 Mitarbeitern zusammengeschlossen. Und auch die Vernetzung mit der Kasseler Universität im Kreise der Alumni ist für Dr. Anne Fenge wichtig – aus technischer, aber auch personeller Sicht: Einige ehemalige Hochschulpraktikanten sind inzwischen geschätzte Mitarbeiter bei Hermanns geworden.

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