Golfen im Grenzgebiet von Hessen und Niedersachsen

Rainer Hahne Harry Soremski

Das ist mehr als Golf. Das ist Genuss pur für Hubert Landefeld, wenn er abends ganz allein die Stille und die wunderbare Landschaft „seines“ Golfplatzes genießt. Doch dort ist es nicht immer nur ruhig. Landefeld zieht immer neue „Spuren in die Landschaft“. Fertig wird er mit seinem Platz wohl nie.

Mit einem Golfplatz der 60er Jahre hat die neue Anlage auf Gut Wissmannshof, oben bei Staufenberg an der Autobahn, herzlich wenig gemein. Die modernen Greens von heute werden der Landschaft angepasst, schmiegen sich an Berg und Tal. Und wenn es sein muss, werden Berg, Tal und Seen extra geschaffen. Hubert Landefeld, der das Gut und den Golfplatz 2009 gekauft hat, hat zu diesem Zweck extra drei Bagger und zwei Lkws angeschafft. Bis zu 1500 Kubikmeter Boden können täglich bewegt werden.

„Wir haben den Vorteil, dass wir das nicht mit zahlreichen Vereinsmitgliedern diskutieren müssen“, schaut Landefeld stolz auf die 18-Loch-Anlage, die optimal der Landschaft angepasst ist und so herrliche Blicke nach Nordhessen bietet. „Der Parkcharakter ist für mich besonders wichtig. Deshalb hüte ich auch den zum Gut gehörigen Wald wie meinen Augapfel.“

Hubert Landefeld hat das Gut Wissmannshof und den Golfplatz 2009 gekauft. Fotos: SoremskiHubert Landefeld hat das Gut Wissmannshof und den Golfplatz 2009 gekauft.

240 Hektar ist das Gut groß. 1000 Hektar sind sein Ziel. Fast wäre er schon einen großen Schritt darauf zugegangen, doch im letzten Moment beschloss die Stadt Hann. Münden, ihren Stadtwald doch nicht zu verkaufen. Aber Landefeld hat mit seinem Gut schon genug zu tun. Allein die Rasenpflege ist eine Wissenschaft für sich. Nach anfänglichen Fehlschlägen ließ Landefeld einen absoluten Spezialisten aus den USA einfliegen. Und der Headgreenkeeper blieb gleich da. Schließlich gilt es 2,4 Millionen Quadratmeter Rasen wöchentlich, millimetergenau in drei unterschiedlichen Längen zu schneiden. Davon kann ein penibler Fußballtrainer wie Ralf Rangnick von Red Bull Leipzig nur träumen.

Den Golffreunden wird eine Menge geboten auf der Golfanlage von Hubert Landefeld. „Bei uns wird jeder fair behandelt“, das ist für den langjährigen Unternehmer eine Selbstverständlichkeit, der früher sein Geld mit Hydraulikelementen verdient hat. „Jeder Tag soll ein Urlaubstag sein. Jeder Gang über den Golfplatz ein Erlebnis. Neue, verrückte Löcher sorgen für Spannung im Spiel für Spieler aller Leistungsklassen. Und unser Rasen ist einmalig. Bei uns soll man gehen wie auf einem Teppich.“ Dafür hat er die unterschiedlichsten Grassorten ausprobiert. Hat auch Rückschläge eingesteckt, wenn ein Gewitterregen ganze Flächen wieder weggespült hat. 40 Kilometer Drainage wurden verlegt, um den Platz immer in einem optimalen Zustand zu halten. „Wir können auf Gut Wissmannshof fast das ganze Jahr über spielen“, ist Landefeld von seinem Platz mehr als überzeugt. Und wenn es doch einmal nicht geht? Nicht nur dann kann man sein Können in der wohl größten Driving Range Europas optimieren. Hundert Meter ist das Gebäude lang, drei Etagen hoch. Achtzig Golfer können gleichzeitig Abschläge üben. 120.000 Bälle stehen dafür zur Verfügung, werden von Robotern wieder eingesammelt, gewaschen, getrocknet und durch eine Spezialanlage aus Asien wieder dem Golfer vor die Füße gelegt. Sieben Cent pro Schlag kostet der Spaß, der demnächst sicher nicht nur von Golfprofis genutzt werden wird, sondern auch von Otto Normalverbraucher, der in dieser neuen Anlage nicht nur seine Freizeit verbringen, sondern auch seine Feiern durchführen kann.

„Hochzeiten können bei uns in besonders spektakulären Kulissen gefeiert werden“, verspricht Hubert Landefeld. In der groß dimensionierten Driving Range, die über einen Parkplatz für zweihundert Autos verfügen wird, wird auch ein Restaurant zur Verfügung stehen, das Landefeld gerade bis ins Kleinste durchplant. In der Küche steht kein gering-erer als Sternekoch Jürgen Richter, der vom „Steinernen Schweinchen“ in das Golf-Resort wechselt. Die Besonderheit: In der ersten Etage schaut man heute schon durch riesige Fenster in die weite nordhessische Landschaft. Demnächst wird hier noch eine „Landungsbrücke“ á la Rügen gebaut, die weit in eine Dünenlandschaft reichen soll. Dünen? „Die werden hier eigens aufgeschüttet“, erklärt Landefeld und zeigt auf seine Bagger und Lkws. Bis dahin werden rund 1400 Mitglieder die Golfanlage nutzen. Maximal siebzig werden noch aufgenommen. Dann ist Schluss. Schließlich soll jeder problemlos spielen können.

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