Gelassen unter Strom

Rainer Hahne Harry Soremski

In Stuttgart hat er zuletzt mit Frau, Hund, Katze und zwei Kaninchen gewohnt. Hatte im Ortsteil Uhlbach ein Häuschen mit Blick auf dem Württemberg. „Oben
steht das Grabmal einer Prinzessin. Liebevoll das schwäbische Taj Mahal genannt“, lacht er. Heute wohnt Dr. Michael Maxelon in Kassel, auf der Wilhelmshöhe, mit
Blick auf den Herkules.

Man muss gar nicht fragen, ob der Familie die Eingewöhnung in Nordhessen leicht gefallen ist. „Ich bin in Vellmar aufgewachsen, meine Frau in Ihringshausen. Wir haben hier noch viele Freunde. In Bad Wilhelmshöhe fehlt uns zwar ein wenig der Weinanbau, aber dafür ist es in Kassel deutlich urbaner. Wir sind überall mit offenen Armen empfangen worden, haben eine aufgeschlossene Gesellschaft erlebt. Das zeichnet Kassel aus. Mit der Stadt geht es bergauf – von vielen innerhalb und außerhalb der Stadt ungläubig bestaunt. Wer von außen kommt, fühlt sich sofort wohl“, hat Michael Maxelon oft genug erlebt.

Und wenn einer das beurteilen kann, dann er. Schließlich war er zum Physikstudium in Göttingen, für eine internationale Unternehmensberatung in Frankfurt und Chicago („Ein Dauerpraktikum!“), war bei den Stadtwerken in Krefeld in Personalverantwortung und wurde zuletzt in Stuttgart aktiv, als eine bürgerliche Initiative das Stadtwerk wieder haben wollte. Das musste von Grund auf neu aufgebaut werden. Da kann man vergleichen.

Natürlich ist für den neuen Vorstandsvorsitzenden der Städtischen Werke der Job nicht ganz so unwichtig. Schließlich verbringt er hier jede Menge Zeit. „Das war schon eine gewaltige Umstellung“, gibt er unumwunden zu. Die Stadtwerke Stuttgart waren als Start up ein empfindliches Pflänzchen. Dagegen sind die Stadtwerke Kassel eine fest verwurzelte Eiche.“
„Für mich ist ganz wichtig, dass unser Unternehmen ein sogenannter Vollsortimenter ist. Alle Dinge, die die Lebensqualität in Kassel maßgeblich beeinflussen, sind bei uns unter einem Dach – von der Stromerzeugung über Busse und Bahnen bis hin zu den Schwimmbädern. Da hat man einen großen Gestaltungsspielraum. Und gerade unsere modernen Schwimmbäder machen uns eine Menge Spaß“, listet Maxelon auf, der seinen Mitarbeitern Begeisterungsfähigkeit bescheinigt.

Für Freizeit blieb bei soviel Baustellen anfangs wenig Zeit übrig, aber der abendliche Spaziergang mit dem Hund ist für den 49 jährigen einfach ein Muss. „Da wird man locker, da kommen viele Ideen. Demnächst nehme ich mir was zu schreiben mit, damit ich nichts vergesse“, lacht er. Überhaupt ist Wandern für ihn wichtig. Raus. Ins Grüne. Strecke machen. Durchatmen. Egal ob in den Parks oder Wäldern. Eine liebgewonnene Gewohnheit. Schon damals vor 25 Jahren, als es über Nordhessen noch hieß, die Region habe nur „gute Luft und arme Leute.“

Heute kommen natürlich die Söhre und der Kaufunger Wald zu den Wanderrouten dazu. Schließlich betreiben die Städtischen Werke dort Windkraftanlagen. „Die haben wir höchst sensibel in die Wälder eingepasst. Haben Windbruchflächen genutzt. Heute freue ich mich, wenn ich sehe, dass unsere Windkraftanlagen Ziel für viele Wanderer geworden sind.“ Und was ist sein Lieblingsziel? „Das kennt kaum einer. Es ist der Michelskopfsee im Stiftswald. Einfach nur herrlich.“ Fazit: „Der hat eine Menge PS. Bin gespannt, ob er sie auf die Straße bekommt“, urteilte einst ein Insider. Heute weiss man – das hat er problemlos geschafft.