Filterkaffee: Zurück zur alten Brühkunst

Antonia Paul Harry Soremski

Kaffee ist längst nicht mehr nur Wachmacher, er ist Genussmittel und Lifestyleprodukt. Schicke Cafés und angesagte Kaffee-Bars mit unzähligen Variationen der dunklen Bohne sprossen und sprießen gefühlt im Sekundentakt aus dem Boden wie Unkraut im Garten von Familie Flodder. Ob mit Sojamilch, entkoffeiniert oder mit einem extra Schuss Aroma – Kaffee ist plötzlich nicht mehr nur schwarz, mit Milch oder Zucker. Bis die Bestellung der hippen Spezialität an der Café-Theke ausgesprochen ist, können schon ein paar Minuten ins Land gehen. Und auch die Arten, ihn zuzubereiten wurden mit der Entwicklung des Kaffees zum Lifestyleprodukt immer vielfältiger. Ob die Bohnen frisch gemahlen wurden, er mit der Frenchpress oder vom Vollautomaten hergestellt wurde, erkennen Experten und Liebhaber sofort am Geschmack.

Doch seit ein paar Jahren heißt es nun auch wieder: Zurück zu den Wurzeln, zurück in Omas Küche, zurück zur Einfachheit. Denn der gute alte Filterkaffee ist längst nicht in Vergessenheit geraten. Tapfer hält er neben seinen gutaussehenden Schwestern mit Milchschaum und bunten Streuseln stand und erlebt derzeit schon fast ein kleines Revival. Ob im angesagten Café oder Zuhause gilt wieder: Frisch aufgebrüht mit der Maschine oder dem Filter direkt auf der Tasse, sind Zubereitung und Genuss echt, bodenständig und so vintage, dass nur noch Omas Gedeck fehlt, um sich wieder zu fühlen wie in 1960. „Auch wenn der Vollautomat für Zuhause einige von ihnen verdrängt hat: Die meisten Haushalte kochen ihren Kaffee mit dem Filter, weil es unkompliziert und vergleichsweise günstig ist“, vermutet Kaffeeröster Stefan Seegert. Durch die langsame Zubereitung sei Filterkaffee außerdem die stärkste Kaffee-Form. Und mittlerweile gibt es auf dem Filterkaffeemaschinenmarkt echte Schätze, die den Retrocharme des Aufbrühens in ihrem Design wiederspiegeln.