Es „läuft“ in der Braumanufaktur Steckenpferd

Marcel Ehrig Harry Soremski
„Kassel fehlte einfach ein gutes Bier“, erklärt Johannes Alt (links im Bild), der zusammen mit seinem Kumpel Erik Schäfer die „Braumanufaktur Steckenpferd“ gründete

Der Meisterbrief an der Wand wird hängen bleiben. Er ist ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit, einer Zeit, in der hier noch eine Pferdemetzgerei beheimatet war. Das Schlachten gehört nun der Vergangenheit an – jetzt wird in der Kastenalsgasse 8 gebraut, anstatt geschlachtet.

„Kassel fehlte einfach ein gutes Bier“, erklärt Johannes Alt (links im Bild), der zusammen mit seinem Kumpel Erik Schäfer die „Braumanufaktur Steckenpferd“ gründete und das Hausbier No.1 „läuft“ vertreibt. Kassel fehlte bis dato nicht nur ein gutes Bier, sondern folglich auch eine Brauerei. „Und das wollten wir ändern“, so Erik Schäfer. Gesagt, getan: Kurzerhand eröffneten die zwei die einzige Brauerei im Stadtbereich. Dabei kommen die beiden Studenten ursprünglich nicht einmal aus Kassel – Erik, der an der Kasseler Kunsthochschule studiert, kommt gebürtig aus dem Odenwald. Johannes, der sein Ingenieurstudium in Kürze abschließen möchte, ist in Nürnberg geboren.

Zusammen kämpfen sie nicht nur für besseres Bier in Kassel, sondern auch für kulturelle Vielfalt und künstlerische Freiräume. Eine durchaus ambitionierte Aufgabe. Anfangs brauten die beiden Bier-Pioniere noch in der Küche. Als Aufwand und Ertrag schließlich nicht mehr im Verhältnis zueinander standen, beschlossen sie die Produktionsräume der ehemaligen Pferdemetzgerei anzumieten und sich zu vergrößern. Eine ordentliche Brauanlage musste her. Eine 1,5 Hektoliter umfassende Anlage wurde herangeschafft, die seitdem das Herzstück des „Steckenpferds“ bildet. Der Grundstein war somit gelegt: Jedoch sollte es noch ein Jahr dauern, bis sie die richtige Mixtur für ihr Hausbier „läuft“ – ein fruchtiges Single Hop Pale Ale – gefunden hatten. „Wer noch nie ein Craft-Beer getrunken hat, für den ist unser Bier genau das Richtige“, so die Gründer, die insgesamt schon rund 3500 Liter Bier gebraut haben.

Seit September 2016 ist das "Steckenpferd" nicht nur Brauerei, sondern auch Bar und Kunstgalerie. Fotos: SoremskiSeit September 2016 ist das „Steckenpferd“ nicht nur Brauerei, sondern auch Bar und Kunstgalerie.

Da traf es sich gut, dass Freunde der Beiden schon über Brauerfahrung verfügten und zumindest kleine Tipps geben konnten. „Das deutsche Reinheitsgebot achten wir natürlich“, erklären die Studenten. Schließlich wird das älteste Lebensmittelgesetz der Welt in diesem Jahr 500 Jahre alt. Nachdem die richtige Mixtur gefunden war, ging das „läuft“ über die Tresen der Kasseler Lokalitäten. Bierliebhaber fanden das kühle Blonde zunächst in der Heimat, der King Schulz Bar, im Lolita Biergarten, im Neu Kafé am Weinberg, im Chacal, in der Caricatura Bar und in der Hospitals Kellerei. Die Etiketten kleben sie noch eigenhändig auf und auch um den Transport kümmern sich die zwei Selfmade-Brauer selbst. „In der Anfangszeit sind wir auch schon mit der Bahn von Bar zu Bar gefahren und haben unser Bier ausgeliefert“, erzählt Erik Schäfer und lacht. Mittlerweile gibt es das Hausbier aber auch in der „Braumanufaktur Steckenpferd“.

Seit September ist das „Steckenpferd“ nicht nur Brauerei, sondern auch Bar und Kunstgalerie. Das Kassel-Bier „läuft“ jetzt also auch an der Quelle. Seit Januar war man damit beschäftigt, die ehemalige Pferdemetzgerei in eine hippe Bar zu verwandeln – alles, wie sollte es anders sein, in Eigenregie. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Holz trifft auf Fliesen – der Charme einer Metzgerei auf Designästhetik und selbstgebautes Interieur. Das Quartier scheint wie geschaffen für eine neue, schmucke Bar, auch wenn die Voraussetzungen nicht ganz so einfach sind. „Die Gegend um den Pferdemarkt gefällt uns, allerdings war hier lange Zeit nicht so viel los – auch das wollen wir ändern und Kultur ins Quartier bringen“, erklärt Erik. Kultur trifft auf Kulinarik“, lautet somit das Motto der hauseigenen Galerie, die für Ausstellungen, Lesungen oder Präsentationen aller Art zur Verfügung steht.

Das „läuft“ soll nicht die letzte Kreation der Kreativ-Brauer bleiben: „Zur documenta wollen wir das nächste Bier herausbringen, bis dahin in Intervallen weitere Kreationen anbieten“. Man könnte sagen, es „läuft“ bei Johannes Alt und Erik Schäfer.

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