Eine Begegnung mit Tianwa Yang

Nadja Feldle Harry Soremski

Wer klassische Musik liebt, für den ist Tianwa Yang ein Begriff, gehört sie doch zur internationalen Weltelite. Dass die sympathische Geigerin in Kassel zu Hause ist und an der hiesigen Musikakademie unterrichtet, wissen hingegen die wenigsten. Was sie an Kassel schätzt, hat sie uns erzählt.

Kassels Vorderer Westen beherbergt einen Weltstar. „Entspannen kann ich, wenn ich in meiner Küche Tee trinke und aus dem Fenster auf den Herkules blicke.“ Tianwa Yang ist nicht oft in ihrer Heimat Kassel, denn die bekannte Star-Geigerin ist auf den Weltbühnen zu Hause. Häufig ist sie in Zügen und Flugzeugen unterwegs, jettet von Konzert zu Konzert und lebt aus dem Koffer. In Kassel ist sie nur drei-, viermal im Monat für wenige Tage. Sie zählt zur Weltelite, spielt das Streichinstrument wie kaum jemand und ist trotz des weltweiten Erfolgs geerdet. „Wenn mir Leute für mein Können den Roten Teppich ausrollen, fühle ich mich geschmeichelt, doch sobald ich die Geige weglege, bin ich privat und nur ich selbst. Dann brauche ich keinen Glamour“, so die 30-Jährige, die gerne wandert und die Berge liebt. Daher ist sie froh, den Bergpark vor der Haustür im Vorderen Westen zu haben, wo man zwar nicht groß wandern, aber spazieren gehen und sich inspirieren lassen kann. Auch langfristig möchte Yang gerne in Kassel bleiben.

Erkannt wird die ECHO Klassik-Gewinnerin auf der Straße eher selten. „Wenn es mir passiert, dann hier in Kassel, denn hier habe ich meine Studenten und meine ‘Begegnungen’“, so die in Peking geborene Chinesin. Seit 2012 unterrichtet sie an der Kasseler Musikakademie, zog 2013 hierher und ist begeistert von den Nordhessen, die eine unglaubliche Liebe zur Musik und der Kultur empfindet. Gerade bei den Konzerten im Rahmen der von ihr gegründeten „Begegnungen“ erfährt sie die Leidenschaft und freut sich, dass die Konzertreihe die letzten drei Male ausverkauft war. Denn schon seit einer ganzen Weile hegte Tianwa Yang den Wunsch, ein eigenes Kammermusik-Festival zu gründen. Die Kasseler Musiktage hatten sich bereit erklärt, sie bei diesem Anliegen zu unterstützen. Als Veranstaltungsort der „Begegnungen“ hatte sich die Geigerin die Grimmwelt ausgesucht. Zu hören gab und gibt es großartige Werke der Kammermusik aus Klassik und Romantik wie auch bedeutenden Kompositionen der zeitgenössischen Musik, die ihr sehr wichtig sind und für die sie sich immer wieder mit Nachdruck einsetzt. Von ihr geschätzte und international erfolgreiche Musiker lädt sie ein, um gemeinsam mit ihnen Meisterwerke verschiedener Epochen in vier Konzerten aufzuführen.

In ihrer jetzigen Heimatstadt Kassel spielt sie sonst eher selten, bewundern kann man ihr virtuoses Spiel daher nur während der Kasseler Musiktage und ihres Kammermusikfestivals. Oder, wenn man bei der Dozentin in der Kasseler Musikakademie lernt. Ihren Studenten gibt sie im Einzelunterricht Tipps, doch Tianwa Yang sagt auch: „Leidenschaft kann man nicht lehren. Zum Erfolg gehören viele Puzzlestücke wie Geduld und starkes Durchhaltevermögen“. Und wenn jemand etwas vom Erfolg versteht, dann sie.

Ein Meisterstück von 1730 – Geigen von Guarneri del Gesù gehören zu den begehrtesten und teuersten Streichinstrumenten der Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.