Ein Leben für den Rummel

Aylin Landzettel Harry Soremski
Magazin 34, Dietz Fahrzeugbau

Auf dem Gelände der Firma Dietz Fahrzeugbau in Ziegenhain sieht es aus wie bei einer Schaustellerfamilie, die sich gerade auf die nächste Kirmes vorbereitet: Vor der großen Halle steht eine riesige Verkaufsbude, daneben wird ein Metallgerüst auf einen Anhänger geladen, alle packen mit an und jeder weiß genau, was er zu tun hat. Die fleißigen Männer sind allerdings keine Schausteller, sondern Mitarbeiter des Familienunternehmens in dritter Generation. 1928 gründete Stellmachermeister Willi Dietz sen. die Firma Dietz, die in den Anfangsjahren Anhänger für den landwirtschaftlichen Bereich herstellte. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg musste er eine Zwangspause einlegen, konnte dann aber 1947 den ersten Wohnwagen für einen ortsansässigen Schausteller anfertigen. Die gute Qualität sprach sich schnell herum und so erweiterte sich in den darauffolgenden Jahren die Produktpalette durch Ausspielungs- und Verkaufswagen. 1963 trat Willi Dietz jun. in den Betrieb ein und steckte seinen Sohn Andreas ebenfalls mit der Leidenschaft für die bunten Schaustellerwagen an. „Schon als kleines Kind war ich ständig mit dabei, habe Karussellpferde bemalt oder Verkaufswagen beklebt. Für mich kam ein anderer Job gar nicht in Frage, dafür habe ich es von Anfang an zu gern gemacht und lebe noch immer dafür“, sagt Andreas Dietz.

Er führt das Familienunternehmen in dritter Generation: Andreas Dietz.

Nach Abschluss seiner Meisterprüfung in 1990 trat er schließlich als Geschäftsführer in die Firma ein. Mittlerweile gehört Dietz Fahrzeugbau zu den führenden Herstellern von Schaustellergeschäften. Aufwändiger Auf- und Abbau ist nicht nötig, da alle Produkte auf Wagen geplant sind, sodass sie schnell von einem Platz zum nächsten transportiert werden können. Für die Kunden ist besonders praktisch, dass sich die Firma Dietz um alles kümmert. Gemeinsam erarbeitet man Designs für die Wagen und Fahrgeschäfte, die die eigene Lackiererei später umsetzt. Die Fahrgestelle werden zusammengeschweißt, die Inneneinrichtung für die Verkaufsbuden individuell hergestellt und angepasst. „Das Schöne ist, dass kein Schaustellergeschäft einem anderen gleicht. Natürlich ist ein Karussell ähnlich aufgebaut. Aber die Designs und farbliche Gestaltung ist immer wieder anders“, erklärt Dietz. Er selbst fertige sogar Handzeichnungen an, um ein erstes Konzept mit den Kunden zu erarbeiten. Rund ein Jahr dauert es vom Entwurf bis zum fertigen Produkt.

Magazin 34, Dietz Fahrzeugbau

Sechs bis acht Projekte werden meist gleichzeitig in der Produktionshalle und in der Lackiererei bearbeitet. So entstehen pro Jahr zehn bis 20 Schaustellergeschäfte im Wert zwischen 50.000 und 400.000 Euro.

„Unsere Produkte sind langlebig. Das älteste Karussell ist 50 Jahre alt und läuft immer noch. Solche Geschäfte müssen lediglich mal zur Wartung oder werden ein bisschen renoviert“, sagt Dietz. Stammkunden habe er trotzdem, die ihn wiederum weiterempfehlen oder deren Kinder mit einsteigen und ein neues Fahrgeschäft entwerfen möchten. Schwierig sei es mittlerweile, geeignete Handwerker zu finden und dauerhaft an die Firma zu binden. „Wir haben rund 30 Mitarbeiter, aber das schwankt. Das geht anderen Handwerksfirmen aber ähnlich. So ist das heutzutage eben“, sagt Dietz.

Magazin 34, Dietz Fahrzeugbau

Verändert habe sich auch der Anspruch der Kunden. „Wir sind ein Handwerksbetrieb und machen alles selbst. Da kann auch mal ein Knubbelchen im Lack sein, das ist menschlich und passiert. Mittlerweile sind die Ansprüche der Kunden aber so hoch, dass manche so etwas nicht akzeptieren. Das macht unsere Arbeit schwieriger, spornt uns aber gleichermaßen an, immer 100 Prozent zu geben“, resümiert Dietz.

Einen anderen Beruf könne sich der 54-Jährige nicht vorstellen. „Es ist nicht nur ein Job. Es ist mein Lebenswerk. Ich freue mich immer wieder sehr, wenn ein schönes Karussell fertig ist und unsere Kunden zufrieden sind.“