Die Bärtigen: Gesichtsbehaarung mit Stil

Marcel Ehrig Harry Soremski

Für viele modebewusste Männer gehört er zum Lebensstil, der wilde, ungezähmte Mann trägt ihn mit Stolz – seinen Bart. Galt ein Mann mit starker Gesichtsbehaarung früher als faul und ungepflegt, liegt er heute im Trend.

Patrick Jurczek: 40 Jahre, aus Kassel. „Ich trage erst seit einem halben Jahr Vollbart, meine Frau musste sich erst daran gewöhnen aber meine Kinder lieben ihn“, sagt der Saunameister aus der Kurhessen Therme. Sein neuer Spitzname im Freundeskreis: Wikinger.Patrick Jurczek: 40 Jahre, aus Kassel. „Ich trage erst seit einem halben Jahr Vollbart, meine Frau musste sich erst daran gewöhnen aber meine Kinder lieben ihn“, sagt der Saunameister aus der Kurhessen-Therme. Sein neuer Spitzname im Freundeskreis: Wikinger.

Haare haben gesellschaftlich eine hohe Aussagekraft, erzählen etwas über Rolle und Geschichte eines Menschen – nicht jeder versteht das, wie Patrick Salmen, einer der bekanntesten Poetry Slamer Deutschlands in einem Gedicht umschrieb: „Liebe Sandra, gestern hast du gesagt: ‘Also, ganz ehrlich, so ohne Bart, das würde dir bestimmt auch gut stehen.’ Betrachte dich mit diesem Schreiben als offiziell verlassen.“

17_03_21_Magazin-34_Bart_2861Ferras Bös: 30 Jahre, aus Kassel. „Der Bart darf nicht zu wild aussehen. Nach dem Waschen wird der Bart geföhnt und eingecremt. Um ihn in Form zu bringen, benutze ich Bartwachs und etwas Haarspray. Alle zwei Wochen lasse ich ihn stutzen.“

„Der Bart ist ein Accessoire, steht für Männlichkeit und ist klar ein Unterscheidungsmerkmal“, erklärt Ferras Bös. Er trägt seinen Bart seit über zwei Jahren – aus Überzeugung – „ich mag den Style, kann mir nicht vorstellen, darauf zu verzichten.“ Vielleicht wurde ihm der Bart aber auch schon in die Wiege gelegt: Seit 20 Jahren ist er im Jagdverein, „und dort sind alle Bartträger“, so Bös.

Ähnlich geht es Patrick Jurczek, Mitglied im Motorradclub „Bangheads“. „Bei uns tragen alle Männer Bart, aber nur meiner ist Rot“, sagt er und lacht. Momo Riedmüller hingegen wollte schon als Kind einen Bart – „das fand ich schon damals cool. Da habe ich mir geschworen, wenn er wächst, dann lasse ich ihn sprießen“, erzählt er.

Wollen wir mitteilen wer wir sind, machen wir das über Kleidung oder andere Äußerlichkeiten – Haare spielen da eine große Rolle. Der Vollbart ist zum Beispiel geprägt von Revoluzzern wie Fidel Castro und seinen Partisanen, die Kuba befreiten und schworen, sich erst wieder zu rasieren, wenn die Revolution gelungen sei. Dafür erhielten sie den Spitznamen „Los Barbudos“ (Die Bärtigen).

17_04_04_Magazin-34_Momo_Bart_6415Momo Riedmüller: 22 Jahre, gebürtiger Kasseler. „Ich lasse meinen Bart gerne frei sprießen, damit er so natürlich wie möglich aussieht. Schon im Kindergartenalter fand ich Bärte bei Männern cool – Oberlippen- und Kinnbart, das passt“.

Doch nicht immer steckt eine politische Motivation hinter dem Bart: „Für mich hat er eine besondere Bedeutung und nichts mit einem bestimmtem Lebensstil zu tun“, sagt Alexandru Tamas, „ich trage ihn in Andenken an eine mir wichtige Person, die leider gestorben ist.“ Dabei wird der Bart in der heutigen Zeit von vielen als Zeichen von Querdenkern und Individualisten interpretiert – doch egal ob Ziegen-, Spitz-, Kinn- oder Schnurrbart – „der Bart muss gepflegt sein, das ist das A und O“, sagt Ferras Bös – immerhin handelt es sich um Haare. Die auf dem Kopf waschen wir ja auch. „Die Pflegeprodukte sollten aber nicht so viel Chemie enthalten – darauf sollte man schon achten“, ergänzt Alexandru Tamas.

17_04_20_Magazin-34_Alex_Bart_7496Alexandru Tamas: 29 Jahre, lebt seit acht Jahren in Kassel. Alexandru trägt seit drei Jahren seinen Vollbart, allerdings nicht weil er es cool findet, sondern „in Andenken an eine mir wichtige Person.“

Wenn sich der Bart trotz Pflege nicht samtweich, sondern kratzig anfühlt, kann man − frei nach Patrick Salmen − entgegnen: „Natürlich kratzt das. Das ist wie das Gleiten einer Plattennadel über Vinyl. Das kratzt auch und ist trotzdem schön.“

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