Der Verein Slotracing-Kassel steht auf Motorsport in Kleinformat

Ulf Schaumlöffel Ulf Schaumlöffel

Die Szenerie besitzt nichts vom üblichen Motorsport-Glamour, hat aber trotzdem ihren Reiz. In einem Kellerraum im Kasseler Olof-Palme-Haus haben die Mitglieder vom Verein Slotracing-Kassel ihr Domizil aufgeschlagen. Und hinter der braunen Tür geht es richtig zur Sache: Eine Corvette liefert sich ein heißes Duell mit einem Ford Capri, Ford Escort und zwei Porsche.

Die Piloten sind mit vollem Einsatz bei der Sache. Es ist ein ständiges Spiel zwischen Beschleunigen und Bremsen, denn wer zu spät bremst, fliegt aus der Kurve! Alles ist so, wie bei einem richtigen Formel 1- oder Motorsportrennen. Nur dass es sich hier um ein Rennen auf einer 36 Meter langen und fünfspurigen Slotcar-Racing-Bahn aus Holz handelt.

Die haben Carsten Levertz und Bernhard Lohmann vom neu gegründeten Verein „Slotracing-Kassel“ bis Anfang Oktober noch ausgiebig renoviert. Nun steht den Rad-an-Rad-Duellen im Maßstab 1:32 oder 1:24 nichts mehr im Weg. Für die Messung der Rundenzeiten sorgen Sensoren in den Schienen, die Platzierung wird anschließend am Computer angezeigt. Neun Mitglieder hat der Verein bereits, für Interessierte steht der Raum beim Clubabend jeden Mittwoch ab 19 Uhr offen.

Zum Unterschied zwischen Slotcarbahn und der beliebten und bekannten Carrera-Bahn erklärt Levertz: „Eine Carrera-Bahn besteht aus Plastik, die Slotcarbahn aus Holz. Da bei einer Holzbahn nur alle drei Meter Übergänge zu den Schienen sind (bei der Carrera-Bahn alle 30 cm) laufen die Autos auf ihr ruhiger.“

Bernhard Lohmann kam durch einen Bekannten zum Slotcar-Racing. „Ich hatte als Kind schon eine Carrera-Bahn und mein Bekannter hat mich früher immer ins damalige Racing Center Knobloch in der Werner-Hilpert-Straße mitgenommen. Da war es um mich geschehen.“ Die Bahn, die früher bei Knobloch stand, ist nun im Olof-Palme-Haus. Sie wurde aufwendig in Eigenleistung modifiziert. Während Lohmann schon als Kind vom Renn-Virus infiziert wurde, hatte Levertz in seiner Jugend damit gar nichts am Hut. „Bei mir kam die Leidenschaft erst später“, so Levertz. Ihre Leidenschaft führt sie mittlerweile zu Slotcar-Rennen im In- und Ausland. Erst vor kurzem nahmen sie an einem Wettbewerb in Spanien teil.

Sammeln, schrauben, fahren: Wie bei den Großen setzt sich auch die Begeisterung für die kleinen Sportwagen aus Bastel-Leidenschaft und Fahrfreude zusammen.

Ein Rennen fordert vom Piloten viel Fingerspitzengefühl. Und wie bei der Formel 1 kommt es auch auf die richtige Wahl der Reifen an. Slotcar-Experten fahren meist mit Moosgummireifen, die für den richtigen Grip sorgen. Die Rennen werden in verschiedenen Klassen ausgetragen. Dafür gibt es sogenannte Youngtimer, Rennwagen und moderne GPs. Natürlich wird auch viel an der Karosserie getüftelt. Denn die soll nicht nur gut und möglichst detailgetreu aussehen, sondern auch leicht sein. Slotcar-Fahrer haben meist auch nicht nur ein oder zwei Fahrzeuge, sie besitzen fünf oder sechs. Sie sind, wie das Werkzeug und viele Ersatzteile, in umgebauten Friseur- und Handwerkerkoffern untergebracht. „Irgendwas zum Schrauben gibt es da auch immer“, so Levertz. Ein gutes Einsteiger-Auto geht ab 100 Euro los. Nach oben sind fast keine Grenzen gesetzt, denn viele Fahrer investieren viel in eine detailgetreue Lackierung und das Aussehen der Miniaturrennwagen. Die Optik zählt: Besondere Aufkleber und Namensschilder zieren die Autos. „Interessierte sind immer willkommen. Wir haben die Bahn ja nicht nur für uns gemacht“, begrüßt Lohmann. Weitere Infos gibt es auf ihrer Homepage: slotracing-kassel.de