Der Gintleman liebt den Wacholder

Victor Deutsch Harry Soremski

Fotos: Soremski

Dieser Moment, wenn du einen Earl Grey-Teebeutel in einem Glas mit Gin versenkst. Und es ist völlig okay. Und weder Uhrzeit noch den vorangegangenen Getränken geschuldet. Bei einer Gin-Verkostung kann das passieren. Es gilt, die feine Note des „Triple Peak Gin”, der aus einer Bremer Brennerei stammt, zu unterstreichen. Andere harmonieren mit Orangenzesten oder Ingwer ganz vorzüglich. Es ist nicht lange her, da war es verpönt, mehr als Tonic, Eis und vielleicht ein wenig Zitrone beizugeben. Ein Barkeeper, der sich getraut hätte dem Gast eine Gurkenscheibe (wie im „Hendricks”-Signature Drink) ins Glas zu mogeln, wäre wüsten Beschimpfungen – zumindest aber erstaunt-empörten Blicken ausgesetzt gewesen. Die gängige Marke hieß „Gordons” und eine angebrochene Flasche stand lange in den Bars und Diskotheken. Es war die Zeit als Cocktails klebrig waren, Longdrinks am liebsten mit Cola getrunken wurden und gut war, was knallte. Wodka stand in der Gunst weit vorne, wurde gar mit Energy-Drinks zur „Disco-Schorle” veredelt. Gin fristete ein Nischendasein. War mehr Kunst als Kreisligafußball, war nicht Techno und nur manchmal HipHop (Snoop Doggy Dogg, „Gin and Juice”, 1994).

„Gin ist für mich zu einem Stil geworden, der für Komplexität in der Einfachheit steht: Abgesehen von vereinzelten, sperrigen Vertretern seiner Art ist er für den gemeinen Endkonsumenten gerade im Zusammenspiel mit floralen, fruchtigen Aromen leicht zugänglich.“ Barkeeper Marc Seibert

Und heute? Stehen beim Kasseler Spirituosenhändler Daniel Werner an die 60 Gin-Sorten aus aller Welt. Alles geschah mit dem „blauen Wunder”: Kaum hatte Bacardi 1998 die seit 1987 eingeführte Ginmarke „Bombay Sapphire” übernommen, klimperte es in den Regalen der Bars und Händler. Die Geheimniskrämerei um die richtigen „Botanicals” hatte begonnen. Der typisch-scharfe Wacholdergeschmack wurde abgemildert durch weitere pflanzliche Zutaten. Der im Schwarzwald gebrannte „Monkey Gin” – der 2013 in der Gin-Hochburg London mit dem World Spirits Award in Gold ausgezeichnet wurde – verweist gar auf 47 Zutaten, die bei der Herstellung verwendet werden. Neben exotischen Kräutern finden auch lokale Würzpflanzen und Beeren ihren Weg in den Gin. Da schaffen es sogar die Grüne-Soße-Kräuter in die Flasche („Gin Sieben”, Frankfurt).

Klar, dass auch das Tonic-Water ein besonderes sein muss: Marktführer Schweppes musste zusehen, wie vermehrt „Fentimans” und „Thomas Henry” in die Gläser gluckerten. Tatenlos blieb man nicht, legte mit seinem „Dry Tonic Water” eine bittere Variante für Gin-Tonic-Fans nach. Wer heute „Gin-Tonic” bestellt, bekommt daher meist mehr Fragen als an einem durchschnittlichen McDonalds-Drive-in Schalter gestellt. Was man bekommt, ist dann aber klar – und deutlich: Zwischen 37 und 47 % Vol. Alkohol enthalten die gängigen Sorten.

 

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„Gin Tropic”
von Toni Jordan, Salzbar im Hotel Gude

Zutaten:
4 cl Bombay Sapphire, 0,5 cl Mandelsirup
1 cl Limettensaft, 2 Scheiben Ingwer,
7 Blatt Minze

Zubereitung:
Alle Zutaten shaken, auf Eis abseihen und mit frischem Minzzweig garnieren.

 

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„Lila Wolken”
von Vito Nicotra, King Schulz Bar

Zutaten:
50 ml Monkey 47 Gin, 25 ml hausgemachter Lavendel-Pink- Grapefruit – Sirup, 20 ml frischer Zitronensaft, 20 ml
frisches Eiweiß, 40 ml Sodawasser.

Zubereitung:
Alle Zutaten, außer dem Sodawasser, im Shaker erst fünf Sekunden ohne und anschließend ca. zehn Sekunden mit Eiswürfel shaken. In das vorgekühlte
Gästeglas abseihen und mit dem Sodawasser garnieren.

Mit einer Grapefruit-Zeste und eingelegten Cocktailkirschen garnieren.

Glas:
kleines Longdrinkglas

 

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„Green Hornet”
von Marc Seibert, Bar Seibert

Zutaten:
6 cl Bombay Sapphire, 2 cl Limettensaft
2 cl Vanillesirup, Frischer Koriander,
Ingwer

Den Ingwer grob reiben.

Zubereitung:
Alle Zutaten in einen Shaker mit Eis. Kräftig schütteln, so dass sich die Aromen der Ingredienzien entfalten können.

Den Drink durch beispielsweise ein grobes Teesieb in ein vorgekühltes Glas abseihen. Frisches Eis hinzugeben und mit Korianderzweigen und Ingwerspalten garnieren.

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