Der Botanische Garten: Idylle im Herzen Kassels

Marcel Ehrig Harry Soremski

Mit Fug und Recht kann Kassel als grüne Stadt bezeichnet werden. Bekannt sind vor allem der Bergpark Wilhelmshöhe oder die Karlsaue. Nicht weniger sehenswert ist allerdings der Botanische Garten, der am Rande des idyllischen Schlösschens Schönfeld seinen Platz gefunden hat und in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Schon am Tor zum Eingang liegt der Geruch der zahlreichen einheimischen und fremdländischen Pflanzenarten in der Luft. „Das war aber leider nicht immer so“, erzählt Günter Sandmann vom Verein Freundeskreis Botanischer Garten. Vereinen, wie jenem von Sandmann, verschiedenen Förderern und dem Umwelt- und Gartenamt, ist es zu verdanken, dass das Schmuckstück der Kasseler Gartenkunst heute wieder in voller Blüte erstrahlt.

Am Haupteingang erwartet die Besucher die neu angelegte Allee aus 80 Kaiserlinden, die den Hauptweg des Botanischen Gartens bildet. Am Haupteingang erwartet die Besucher die neu angelegte Allee aus 80 Kaiserlinden, die den Hauptweg des Botanischen Gartens bildet.

Denn bereits im Jahr 1926 gab es erste Überlegungen, die als Schulgarten konzipierte Anlage zu schließen. Damals diente der Garten vielen Kasselern jedoch als „Gartenanbaufläche“. Die Schüler konnten ihr selbst geerntetes Gemüse mit nach Hause nehmen, was zumindest ein Stück weit der schwierigen Ernährungslage der damaligen Zeit entgegenwirkte. 1948 wurde aus dem Schulgarten schlussendlich ein allgemeiner Botanischer Garten. „In den 1970er Jahren strich man dann aber nach und nach die finanziellen Mittel“, erzählt Günter Sandmann. Rund zehn Jahre später kam die Stadtkämmerei zu dem Entschluss, überhaupt keine finanziellen Mittel mehr für den Botanischen Garten zur Verfügung zu stellen – das Areal wurde in Rasenflächen zurückgebaut, den Botanischen Garten gab es nun nicht mehr.

Neben den zahlreichen Themengärten laden die vielen Sitzgelegenheiten des Gartens zum Verweilen und Entspannen ein. Fotos: SoremskiNeben den zahlreichen Themengärten laden die vielen Sitzgelegenheiten des Gartens zum Verweilen und Entspannen ein.

Bis zum Jahr 2003 sollte sich daran auch nichts ändern. Erst auf Bestreben der damaligen Leiterin des Umwelt- und Gartenamts Kassel, Regula-Maria Ohlmeier, wurden die Grünflächen wieder zu dem Gartenkleinod aus früheren Tagen. Seitdem wird das 3,5 Hektar große Gartendenkmal durch tatkräftige Unterstützer, bestehend aus Vereinen und Förderern, im Stil der 50er Jahre gepflegt. Die, zur damaligen Zeit, typischen Gartenarchitektonischen Elemente, wurden restauriert. Heute erwartet die Besucher, direkt vom Haupteingang aus, eine neu angelegte Allee mit 80 Kaiserlinden, die den Hauptweg bildet. Seitlich davon befinden sich die zahlreichen, neu angelegten Themengärten. Wie zum Beispiel den immer blütenreichen „Magdalena Garten“, das Sommerblumenrondell, das besonders viele Besucher in seinen Bann zieht oder die neu gebaute Farnschlucht. „Wie viele Pflanzenarten wir hier genau haben, ist schwer zu sagen“, erklärt Thorsten Lange vom Umwelt- und Gartenamt Kassel. „Dadurch, dass der Garten über so viele Jahre geschlossen war, sind viele Dokumente über den Bestand verloren gegangen.“

Ebenfalls zu empfehlen ist ein Besuch im Kakteenhaus, das rund 300 verschiedene Kakteen sowie Sukkulenten beheimatet und direkt neben dem schulbiologischen Zentrum angesiedelt ist. Und mit etwas Glück trifft man dort bei seinem Besuch die Imker bei der Arbeit an.

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