Bike Tyson: Stefan Herren ist der Retter alter Radkunst

Ulf Schaumlöffel Ulf Schaumlöffel
Fan von klassischen Fahrrädern: Stefan Herren betreibt seit drei Jahren in der Unterneustadt das Radgeschäft "Bike Tyson".

Das liebste Fortbewegungsmittel der Deutschen ist das Fahrrad. Und immer mehr Radfahrer achten dabei – wie Oldtimer-Fahrer – auf die Ästhetik des Fortbewegungsmittels. Das Rad ist zum Lifestyle-Produkt geworden. Klassische Räder aus den 60er, 70er und 80er Jahren sind dabei besonders im Trend. Dafür, dass die auch wieder so richtig glänzen, sorgt Stefan Herren. Seit drei Jahren betreibt der 43-Jährige in der Unterneustadt sein Radgeschäft „Bike Tyson“. „Ich bin ein Fan klassischer Fahrräder. Und um die schönen alten Räder wieder aufleben zu lassen, eröffnete ich meine eigene Werkstatt“, berichtet Herren. „Weil viele Händler nur Fahrradkaufhäuser sind und lieber neue Räder verkaufen, statt alte zu reparieren, kam mir die Idee zum eigenen Laden. Da ich schon davor viel für Freunde an Rädern geschraubt habe, hatte ich schon Praxiserfahrung bezüglich der Fahrradrestaurierung sammeln können.“ Mit dem Laden erfüllte er sich einen Traum und kündigte dafür sogar seinen Job in einem Outdoorfachgeschäft.

Der Start in die Selbstständigkeit sei allerdings schwer gewesen: „Ich fing mit drei Fahrrädern an und die erste Zeit kam kaum jemand in den Laden. Aber dann sprach sich das mit meiner Werkstatt ganz gut rum und ich bekam immer mehr zu tun.“ Kein Wunder: Soll das betagte Schätzchen wieder richtig aufblitzen, sind oft auch Lackierarbeiten nötig. Herren macht das aber alles für überschaubare Preise. Fans von alten Renn- und Vintagerädern sind bei ihm bestens aufgehoben. Ob im Originalzustand oder mit modifizierten Teilen: Herren hat für jedermann/frau ein passendes Liebhaberstück bereit. Dafür, dass sie top restauriert sind, bürgt sein Bike Tyson-Schriftzug. Er klebt nicht nur auf jedem seiner Fahrräder, sondern ist zugleich seine beste Werbung. „Viele die eins meiner Räder im Stadtverkehr oder vorm Café stehen sehen, wissen so gleich, wo man so ein schönes Rad bekommt.“Herren baut auf Kundenwunsch individuell ein Rad auf. „Jeder Fahrradwunsch kann erfüllt werden. Am besten ist es natürlich immer, wenn mir die Kunden ihr Budget nennen. Dann kann ich ihnen sagen, was ich dafür machen kann.“ Ein nackter Rahmen reicht als Grundlage.

Sein Grundmaterial bezieht Herren von Flohmärkten und aus Angeboten im Internet. Reparaturen macht der Radexperte aber für alle Räder. Und hat damit eine Nische gefunden. Denn zu Herren kommen nicht nur Sammler und Individualisten, sondern auch viele Kunden, die von anderen Werkstätten weggeschickt wurden, weil diese sich beispielsweise mit so manch alten Teilen nicht mehr beschäftigen. Der Kasseler ist zum Retter alter Radkunst geworden.

Detailverliebt: Ob edle Ledersättel, besondere Speichen, oder alte Typenschilder – traditionelle Radkunst fasziniert. Detailverliebt: Ob edle Ledersättel, besondere Speichen, oder alte Typenschilder – traditionelle Radkunst fasziniert.

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