Bad Wildunger baut Tiny Houses

Marcus Althaus Harry Soremski

Minimalisten können jetzt genüsslich aufschreien. Hier steckt auf kleinstem Raum nahezu alles drin, was zum Wohnen und Leben nötig ist. Mit einer Unterkunft unabhängig von der Zivilisation mobil zu sein und dabei stets alles Notwendige dabei zu haben, das ist der Traum, den Christian Bock mittlerweile mehrfach verwirklicht.

Auf nur wenigen Quadratmetern das Flair eines richtigen Hauses bieten, das wollen Christian Bock und sein Team. Der Tischlermeister aus Bad Wildungen ist fasziniert von flexiblen und kleinen Wohnmöglichkeiten. „Als ich vor Jahren die Fotos von Jay Shafer sah, der in Amerika kleine Häuser von ungefähr acht Quadratmetern auf Anhänger installierte, war ich sofort Feuer und Flamme“, beschreibt Bock. Wer jetzt den Bauwagen der Kindersendung „Löwenzahn“ vor Augen hat oder an alternatives Wagenleben denkt, der irrt ein wenig. Hier geht es nicht um umgerüstete Bauwagen. Hier geht es um entworfene Häuschen, die zwar winzig (8 bis 13 Quadratmeter) sind, dafür aber funktionell und mit dem Nötigsten ausgestattet. Bock: „Die Idee hinter „Tiny Houses“ verspricht die gewünschte Mobilität und eine hochwertige, ökologische Bauweise. Außerdem kann sie an individuelle Bedürfnisse angepasst werden.“ Der Tischlermeister hat eine für die deutschen Standards passende Bauskizze entworfen. „Der Umsetzung meines Traums vom Mini-Haus auf Rädern stand danach nichts mehr im Wege.“

Ideal für Naturliebhaber: Das Haus gilt nicht als Wohnwagen und ist auch kein festes Gebäude für das eine Genehmigung nötig wäre. Dadurch lassen sich Standortwünsche leichter realisieren. Wer aber auf Komfort setzt, sollte für einen Stromanschluss und fließend Wasser sorgen.

Bereiche zum Wohnen, Kochen, Schlafen und selbst ein WC können die Häuschen bieten. Geheizt werden kann mit einem kleinen Holzkamin. Der bringt im Nu das Haus auf die gewünschte Temperatur. Die Gebäudekonstruktion und der gesamte Innenausbau sind aus Holz und natürlichen Materialien. Das sorgt für ein gesundes Wohnklima. Selbst bei der Dämmung in Wänden und Dach setzt der Tischler auf Holzfaser, die eine „ideale Isolierung zu jeder Jahreszeit“ garantiere, so Bock. Eine Lärchenverschalung schützt das Mini-Haus außen, was sich gleichzeitig in einer guten Energiebilanz widerspiegelt. Neun Häuschen haben er und sein Team bislang gebaut, zwei sind aktuell in der Planung. Die Käufer sind dabei ganz unterschiedlich. Beispielsweise zwei Studenten in Berlin haben sich als Alternative zum Studentenwohnheim oder einer WG ein solches Haus geleistet und auf ein Grundstück gestellt. Auch ein Naturliebhaber in der Wetterau lebt zwischen Kirschbäumen auf einer Wiese in einem Tiny House aus Bad Wildungen. Der Vorteil: Das Haus gilt nicht als Wohnwagen und ist auch kein festes Gebäude für das eine Genehmigung nötig wäre. Es ist eine „Ladung“ auf einem Anhänger. Dadurch lassen sich Standortwünsche leichter realisieren, als mit einem herkömmlichen Wohnwagen oder einer fest installierten Hütte. Wer mit dem Gedanken jedoch spielt sich wohnlich zu verkleinern, der sollte zunächst einige Zeit investieren. „Sich Zeit nehmen zum Planen ist enorm wichtig“, sagt Bock. Die Häuser werden individuell gefertigt. Dabei spielt auch der künftige Standort, die Sonneneinstrahlung und die gewünschte Blickrichtung eine Rolle. Die reine Bauzeit dauert in der Regel sechs bis neun Monate. Ab 30.000 Euro ist der bezugsfertige Korpus erhältlich. Einbauten wie Dusche/WC, Küche, Holzkamin, Installationen und Sonderwünsche kommen obendrauf. Eine finanzielle Grenze gibt es nicht. „Wir bauen alles, was gebaut werden kann“, sagt Christian Bock.

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