Ahlemächt’jer: Burger mit dem Nordhessen-Kick

Victor Deutsch Harry Soremski

Am Anfang stand die Suche nach einem guten Standort. „Ich habe mir schon einige Läden angeschaut. Sie waren zu groß, zu teuer, zu weit ab vom Schuss – es hat einfach nicht gepasst.“ erzählt Eric Raida. Dann kam die Markthalle ins Spiel – und das passt wie die Bulette aufs Brötchen! Da, wo es um Essen und Trinken,
um Frische, Qualität und Regionalität geht, haben die Besucher dem neuen Burger-Imbiss von Beginn an die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Genau wie der befreundete Nils Schellenberg mit seiner „Kleinen Kantine“ steht der Einzug von „Ahlemächt’jer“ in Kassels Markthalle für genau den frischen Wind, den die alten Mauern irgendwie mal nötig hatten.

Eric Raida, der Burgerbrater. Foto: SoremskiEric Raida, der Burgerbrater.

Landgraf Wilhelm IV hatte den Marstall 1593 erbauen lassen. Das Gebäude diente vornehmlich der Unterbringung der landgräflichen Pferde und Kutschen. Obst, Gemüse und vielerlei andere Erzeugnisse der Bauern und Händler aus der Region wurden seit Ende des 18. Jahr-hunderts auf dem Wochenmarkt auf dem Königsplatz angeboten. Im April 1965 zog der Fleischmarkt in den wiederaufgebauten Marstall ein, etwas später folgten die Obst- und Gemüsestände vom Königsplatz. Auf zwei Etagen und einer zusätzlichen Freifläche vor der Markthalle herrscht von Donnerstag bis Samstag reges Treiben in einer der schönsten Markthallen Deutschlands.

2013 wurde eine Lenkungsgruppe gegründet, die den Marktbetrieb im denkmalgeschützten Marstall fit für die Zukunft machen soll. Denn das Betreiberkonzept für die Markthalle steht im Jahr 2017 zur Neuverhandlung an. Die Betriebs-GmbH, die von den etwa 70 Marktbeschickern gestellt wird, arbeitet hier eng mit der Stadt Kassel, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Uni zusammen. Das Ziel: „Die Kasseler Markthalle über das Jahr 2017 hinaus zu einer besonderen Genuss- und Spielstätte zu machen.“, sagt Markthallen-Geschäftsführer Andreas Mannsbarth.

Zurück in die Gegenwart und an den Arbeitsplatz von Eric Raida, unter dessen wachsamen Augen die Burger-Patties munter vor sich hinbruzzeln. „Das Fleisch beziehen wir täglich frisch von der Traditionsmetzgerei Kramer aus Nassenerfurth, die ebenfalls in der Markthalle vertreten ist“, erläutert Raida das Konzept der Regionalität. Auch die in zahlreichen Tests perfektionierten Burgerbrötchen werden in der Markthalle gefertigt. Und natürlich kommen auch die Kräuter für den „Griene Sose“, hinter dem sich eine Burger-Variation mit Eiern, Kartoffeln und der Kasseler Spezialität verbirgt, aus der Händler-Gemeinschaft. „Mal schauen, ob ich den in den Wintermonaten auch noch anbieten kann“, sorgt sich der Neu-Gastronom um verfügbare Frische. Die Ahlemächtjer-Gemeinde würde es bedauern – der Grüne Soße-Burger steht in der Beliebtheitsskala ganz weit oben. „Auch wenn ich gegen nordhessische Gewohnheit die Kräuter etwas anpüriere, um eine schöne Farbe zu bekommen“, schmunzelt Raida.

Auch dem Weckewerk – ebenfalls vom Metzger Kramer – für den „Mullwerk“ lässt er eine besondere Behandlung zukommen: „Wir panieren das Pattie für eine schöne krosse Kruste.“ Zusammen mit Salzkartoffeln, Rote-Bete-Soße, sauren Gurken, einem frischen Wildkräutersalat und natürlich mit dem hausgemachten Burgerbrötchen ein nordhessisches Geschmackserlebnis. Und wie kommt das an? „Viele sind bei Weckewerk zögerlich – einmal probiert, schmeckt es aber allen.“, berichtet der Chef der Burger-Bude.

Der Ausruf anerkennenden Erstaunens des Gastes in nordhessischer Mundart dürfte ihm dann sicher sein. „Ahlemächt’jer“ eben.

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