500 Jahre Luther: Bischof Prof. Dr. Martin Hein im Gespräch

Rainer Hahne Harry Soremski

500 Jahre Luther werden in diesem Jahr gefeiert. Ein ungeteiltes Vergnügen? Es wird kein Jubelfest. Das erklärte auch Bischof Prof. Dr. Martin Hein im Gespräch mit 34-Das Magazin. „Es werden keine Lutherfiguren aus Plüsch verkauft. Diesmal wird genau hingeschaut werden. Luther war ein vielschichtiger Mensch.“

Haben Sie bedenken vor dem Jubiläum?

Nein. Es ist uns allerdings bewusst, dass es kein reines Jubelfest wird wie die letzten Jubiläen. Anders als früher werden auch die dunklen Seiten Luthers zur Sprache kommen. Wir werden über seine Rolle in den Bauernkriegen reden müssen, werden uns sehr intensiv mit seiner antisemitischen Einstellung auseinander setzen müssen. Wir werden selbstbewusst feiern, aber auch kritisch.

Haben die Feiern schon begonnen?

Ja. Wir haben mit einem ökumenischen Gottesdienst in Bad Wildungen begonnen. Die katholische und die evangelische Kirche möchten, dass Bewegung in den Umgang miteinander kommt. Deshalb feiern wir Versöhnungsgottesdienste mit den Bistümern Fulda, Paderborn und Erfurt. Darüber hinaus gibt es schon eine Menge gemeindenaher Aktivitäten. Ende 2017 weiß jeder, wer Luther war.

Luther, Bibel, Luther übersetzte die Bibel in Umgangsdeutsch.

Gilt das auch für den Papst?

Stimmt. Auch der Papst hat Luther für sich entdeckt. Mit seinen Erfahrungen in Südamerika fällt ihm das leicht. Dort werden die konfessionellen Grenzen leichter überschritten. Ich bin selbst im Mai mit einer Delegation nach Rom gereist. Es war spannend.

Was ist für Sie der Kern der Luther’schen Aussagen?

Das Wichtigste ist für mich die Wiederentdeckung der Bibel. Luther hat sie in die deutsche Sprache übersetzt und für jeden zugänglich gemacht. Darüber hinaus aber auch die Unvertretbarkeit der eigenen Gewissensentscheidung. Niemand kann uns eine Entscheidung abnehmen. Hier stehe ich und kann nicht anders. Luther hat es so auf den Punkt gebracht. Überzeugt mich durch die Bibel oder widerlegt mich durch Vernunftgründe, sonst bleibe ich bei meiner Meinung. Der Regisseur Dieter Wedel hat Luther für die Hersfelder Festspiele vorbereitet. Ich bin jetzt schon gespannt. Er saß lange genug auf Mallorca − wollte zwischendurch sogar aufgeben. Luther ist nicht einfach. Seine derbe Sprache wird als Grobianismus bezeichnet, eine Sprache, die zur Zeit in der Politik wieder aufersteht. Luther hat den Papst beschimpft und der ihn. Er war ein zwiespältiger Mensch. Luther ist hart aufgetreten, war aber auch verzagt und depressiv. Wedel macht das gleich mit vier oder fünf Lutherfiguren deutlich, die teilweise gleichzeitig auftreten sollen. Luther hat es dem hessischen Landgrafen Phillipp dem Großmütigen gestattet eine zweite Frau zu heiraten.

Bischof Prof. Dr. Martin Hein„Überzeuge mich durch die Bibel.“ Bischof Prof. Dr. Martin Hein

Das war ein großer Fehler. Phillipp war unglücklich verheiratet. Damals keine Seltenheit. Liebe spielte bei der Ehe keine Rolle. Es gab Könige, die haben in so einer Situation ihre Frau ermordet. Phillipp war schon evangelisch. Das kam für ihn nicht infrage. Für Luther war er der wichtigste politische Verbündete. Daher diese unglückliche Erlaubnis. Die führte aber dazu, dass Phillipp seine Macht verlor. Er hatte gegen Reichsrecht verstoßen. Die Folgen waren gravierend. Heiraten war sowieso ein wichtiges Thema für Luther. Früher war man früh mündig. Hat früh geheiratet. Man wurde nicht 80 Jahre alt. Luther selbst hat die Mönche ermuntert zu heiraten. Er selbst hat sich lange Zeit gelassen. Wollte eigentlich gar nicht. Doch dann wurde es eine glückliche Ehe. Seine Briefe an seine Kinder sind lesenswert, sind unglaublich gefühlvoll. Die Ehe war für ihn aber kein Sakrament, kam nicht vom Himmel, sondern diente dazu auf Erden das Zusammenleben zu organisieren. Friedensgottesdienst feiern sie schon. Der Papst interessiert sich für Luther.

Hoffen Sie auf eine Zusammenrücken der Religionen?

Organisatorisch wird sich da nichts tun. Aber die ökumenische Kirche ist die Kirche der Zukunft.

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